Tauchtheorie: Medizin

Krankheiten & Verletzungen: Das Barotrauma der Nebenhöhlen

Eine der besonders festen Regeln für Taucher ist: Tauche nie mit Schnupfen!

Der Grund dafür ist, dass die Schleimhäute bei einem Schnupfen anschwellen und die Nebenhöhlen verlegen. Das bedeutet, dass die Verbindung zwischen Nebenhöhle und dem Nasen-Rachenraum blockiert ist. Aber nicht nur ein Schnupfen kann Auslöser für ein Barotrauma der Nebenhöhlen sein. So kann ein Polyp (Wucherung der Schleimhaut) unter Druck Öffnungen verschließen. Auch eine schiefe Nasenscheidewand kann dazu führen, dass die Luftzirkulation zwischen Nasen-Rachenraum und Kieferhöhle blockiert wird.

Entstehung eines Nebenhöhlen-Barotraumas

Egal ob Blockierung durch Verschleimung, Polyp, Nasescheidewand oder sonstigen Hindernissen, wie ein Barotrauma in einer Körperhöhle entsteht wird im folgenden Flashfilm gezeigt.

Ihr seht die Flash-Animation nicht? Klickt hier, um die Einzelbilder zu sehen

Symptome, Ursachen & Behandlung

Barotrauma der Stirnhöhle

Die Symptome für ein Barotrauma der Stirnhöhle sind stechende starke Schmerzen in der Stirngegend, die bis zu den Augen ausstrahlen können. Bei Anzeichen von Schmerzen in diesem Bereich gilt es sofort höher zu tauchen und den Tauchgang abzubrechen. Ursachen sind hier meistens Erkältungen oder auch chronische Nebenhöhlenentzündungen.

Kommt es zu Kopfschmerzen beim Auftauchen oder nach dem Tauchgang, die lange anhalten, handelt es sich meistens um ein inverses (Überdruck-)Barotrauma der Stirnhöhlen. Das bedeutet, dass der Druckausgleich nicht beim Auftauchen, sondern erst sehr langsam an der Oberfläche geschieht. Der Überdruck in der Stirnhöhle erzeugt dabei die Kopfschmerzen.

Barotrauma der Kieferhöhle

Hier sind neben Schnupfen oft Polypen oder eine verbogene Nasescheidewand die Ursachen für eine Blockierung, die zu einem Barotrauma führen. Symptome sind auch hier stechende Schmerzen - lokalisiert im Wangenbereich. Kommt es zu einem Überdruckbarotrauma, kann ein Nasenspray beim schnelleren Abschwellen helfen, damit sich der Druckausgleich wieder einstellt. Ist die Ursache anatomisch bedingt, durch Polypen oder eine schiefe Nasenscheidewand, ist eine Tauchtauglichkeit nicht gegeben. Abhilfe kann hier durch eine Operation erfolgen.

Barotrauma der Siebbeinzellen

Auch hier ist die Ursache meist wieder entweder eine Erkältung mit Schwellung der Schleimhäute, Polypen oder eine chronische Entzündung. Symptom für ein Barotrauma der Siebbeinzellen ist ein stechender Schmerz um die Nasenwurzel herum, der auch auf die Augen abstrahlt. Stellt sich beim Abtauchen der hier beschriebene Schmerz ein, gilt auch hier, den Tauchgang sofort abzubrechen.

Wichtig!

Bei Beeinträchtigung der Nasennebenhöhlen liegt automatisch Tauchuntauglichkeit vor. Sprecht unbedingt mit Eurem Arzt, wie man dies am besten behandelt und geht erst nach Rücksprache mit ihm wieder zum Tauchen.

Und was ist mit Nasenspray & Tauchen?

Jetzt ist man nach Mexiko zum Tauchen geflogen und hat sich prompt im Flieger einen heftigen Schnupfen eingefangen. Die Nase ist zu, alle Schleimhäute sind angeschwollen. Zum Glück habe ich ja mein abschwellendes Nasenspray dabei, so dass ich nicht auf meinen Tauchgang verzichten muss!
DIES IST EINE GANZ SCHLECHTE IDEE!

Wer seine Nase mittels Nasenspray tauchbereit macht, riskiert mit hoher Wahrscheinlichkeit ein inverses Barotrauma. Beim Abtauchen ist noch alles in Ordnung. Durch die vom Nasenspray erzeugte Abschwellung der Schleimhäute kann der Druckausgleich zwischen den Schädelhöhlen und dem Nasen-Rachenraum ohne Probleme erfolgen.

In der Tiefe lässt dann irgendwann einmal die Wirkung des Sprays nach und die Schleimhäute schwellen wieder an. Beim Auftauchen kommt es jetzt zu einem Barotrauma durch Überdruck in den Schädelhöhlen. Das Problem wird dadurch verstärkt, dass man beim Bemerken eines Druckausgleichproblems beim Abtauchen einfach wieder Auftauchen kann. Beim Auftauchen hat man, zumindest langfristig, diese Möglichkeit nicht, denn irgendwann muss man raus!

Daher gilt:

Bei Erkältungen ist vom Tauchen unbedingt abzusehen. Insbesondere solltet Ihr nicht versuchen, mit Hilfe von Nasenspray doch noch tauchen gehen zu können!



copyright Andreas Nowotny 2004

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