Thilo Künneth
"Tauchtheorie"
Im Untertitel bietet dieses relativ schmale Buch das "Komplettwissen für den Tauchsport". Kann es diesem selbst gewählten Anspruch gerecht werden?
Der Inhalt
Tauchtheorie hat als Zielgruppe sowohl Tauchanfänger, als auch Fortgeschrittene, will also Lehrbuch und Nachschlagewerk sein. Es verzichtet dabei völlig auf die praktischen Aspekte und konzentriert sich ausschließlich auf das, was auch der Titel ist - die Tauchtheorie. Das Buch ist in die folgenden Kapitel untergliedert:
- Tauchphysik
Einheiten und Definitionen * Die wichtigsten Gas-Gesetze für Taucher * Schwimmen, schweben, sinken * Einige Besonderheiten der Praxis * Das Sehen unter Wasser * Das Hören unter Wasser - Tauchrechnen
Einige wichtige Grundbegriffe * Atemluftberechnungen * Tauchgangs-Berechnung * Überströmen - Technik und Ausrüstung
Die Pressluftflasche * Der Atemregler * Die ABC-Ausrüstung * Messgeräte * Tauchbekleidung uund Zubehör * Wie funktioniert eigentlich ein Kompressor? - Anatomie und Physiologie
Hohlräume im Körper * Die Atmung * Der Blutkreislauf * Das Ohr * Besonderheiten beim Tauchen - Tauchunfälle / Tauchmedizin
Das Abtauchen * Das Tauchen * Das Auftauchen * Für Schnorchler und Apnoe-Taucher * Was passiert beim Ertrinken * Thermische Einflüsse * Sofortmaßnahmen bei Tauchunfällen * Arzneimittel und Tauchen
Schon ein Blick auf das Inhaltsverzeichnis zeigt, dass der Autor einen leicht anderen Weg geht, als viele anderen Autoren von Tauchtheoriebüchern. Es zeigt auch, dass sich rein optisch der Autor ein Vorbild an den Schulbüchern der 70er Jahre genommen hat. Keine bunten Bilder, keine langen Texte, viele mathematischen Formeln und Rechenbeispiele. Auf den ersten (und zweiten) Blick staubtrocken und wenig einladend, sich damit näher zu beschäftigen.
Schade eigentlich, denn auf den dritten Blick, wenn man sich Künnteths "Tauchtheorie" näher anschaut, offenbart das Buch seine inneren Werte: Eine sehr detaillierte und tiefgehende Darstellung aller relvanten tauchtheoretischen Themen. Was auf den ersten Blick abschreckt, die vielen Formeln und Rechenbeispiele erweisen sich als eine der Stärken des Buches, denn die relevanten Inhalte werden verständlich erläutert und dem Leser anhand vieler Beispiele nahe gebracht.
Auch der Verzicht auf bunte Bilder und der Gebrauch von einfachen Skizzen, besonders im Bereich Technik und Ausrüstung, erweisen sich als vorteilhaft. Denn hier wird Verständlichkeit über eine schöne Optik gehoben, wovon der Leser natürlich profitiert. Insgesamt schafft es das Buch, die komplexen Inhalte in der Tiefe zu behandeln und dabei verständlich zu bleiben.
Taucht das Buch was?
Ja und nein - es hängt davon ab, was man will. Es ist auf jeden Fall kein Buch für einen schnellen Überblick und Einstieg in die Materie für "Fun-Taucher". Als Einsteigerbuch ist es auch teilweise einfach zu trocken und mathematisch. Als Nachschlagewerk und für diejenigen, die statt bunter Bilder lieber tiefgehende Informationen möchten, erfüllt es seinen Zweck hingegen gut.
Der Kritikpunkt ist also, dass das Buch Tauchinteressierter eher abschreckt als einlädt, sich mit der Tauchtheorie zu beschäftigen. Was sehr schade ist, denn inhaltlich kann man dem Werk nicht absprechen, sich sehr tiefgehend und genau mit der Thematik zu beschäftigen, daher verfehlt es die eine Zielgruppe völlig, bietet der anderen aber wichtige Informationen.
Resümee
"Tauchtheorie" geht mit dem Anspruch an den Start, "Komplettwissen für den Tauchsport" zu liefern. Dies ist insofern nicht der Fall, als es weite Teile dieses Wissens, insbesondere was die praktischen Aspekte betrifft, ausschließt. Was es aber inhaltlich darstellt, macht es gut. Aus diesem Grund eine eingeschränkte Empfehlung: Das Buch lohnt sich, ist aber nicht essentiell.
Rating:
Eingeschränkt empfohlen - 3.5 von 5 goldene Masken!
