Frühjahrs- oder Herbstputz im Tauchsee
Tipps für die Organisation einer Seereinigung
Es nieselt und ist kalt. Unbeirrt tragen emsige Sammler aus dem Ufergebüsch Müll zusammen, während Taucher eifrig ihre Sammelnetze mit Unrat aus dem See befüllen.
"Was ist den hier los?" fragen neugierige Passanten. "Wir reinigen den See vom Müll der vergangenen Badesaison!" kommt als Antwort zurück.
Wieso Seereinigung?

Für die beiden Augsburger Tauchschulbesitzer Lothar Sailer und Klaus Kohler geht es um mehr als nur den Saisonabschluss und den Spaß der Beteiligten. Gerade weil Taucher meist eine schlechte Lobby haben und von vielen Gruppen (z.B. Anglern, Naturschützern, aber auch Badegästen) misstrauisch beäugt werden, bietet eine Seereinigung Tauchern die Möglichkeit, etwas für ihr Image zu tun und dabei aktiven Umweltschutz zu betreiben.
Trotzdem ist eine Seereinigung weit mehr als eine PR-Veranstaltung für das Ansehen der Tauchgemeinde. Neben der aktiven Reinigung ist ein sehr wichtiger Aspekt die Erhöhung des Wissens bei den beteiligten Tauchern um die entsprechenden Gewässer. Dabei wird der Sinn für UW-Umweltschutz generell geschult. Wie fragil viele Gewässer in Deutschland sind, ist Tauchern oft gar nicht bewusst. Begleitend zur Seereinigung kann man deshalb in Vorträgen und Briefings gut das Bewusstsein für generell umweltverträgliches Tauchen wecken.
Was ist bei einer Seereinigung zu beachten?
Natürlich kann man einfach in den See steigen und Müll rausziehen. Eine erfolgreiche Seereinigung sollte aber schon im Vorfeld entsprechend gut organisiert werden. Dabei sind hauptsächlich folgende Punkte wichtig:
- Genehmigung
- Sammelbehälter
- Vorbereitung und Briefing
- Müllentsorgung
- Rahmenprogramm
Genehmigung
Natürlich wird in Tauchgewässern generell Tauchen erlaubt sein. Aber in vielen Seen ist das Tauchen auf bestimmte Zonen eingeschränkt, so sind z.B. oft Badezonen gesperrt. Da man bei der Seereinigung eher den Müll der Badegäste als den der Taucher sammelt, sollte man sich für den Tag die Genehmigung holen, auch andere Einstiege benutzen zu dürfen, andernfalls kann man sich auf lange Schnorchelstrecken einstellen. Natürlich sind Uferbereiche, die aus Naturschutzgründen für Taucher und andere Gäste gesperrt sind tabu - dort wird es aber auch kaum Müll geben.

Vielleicht gibt es aber auch Badeseen in Eurer Nähe, die für das Tauchen nicht freigegeben sind, aber trotzdem von einer Seereinigung profitieren könnten. Fragt hier bei den Besitzern, bzw. den zuständigen Ämtern nach, ob die Möglichkeit besteht, für einen Tag eine Ausnahmegenehmigung zu erhalten. So kommen Badegäste zu scherbenfreien Badezonen und Taucher zu einem TG in einem neuen Gewässer!
Auch eine Fahrgenehmigung für die Fußwege ist vorteilhaft. So kann man einerseits Taucher an entlegenere Einstiege, andererseits aber auch den gesammelten Müll von einzelnen Uferstationen zu Gesammtsammelstelle bringen.
Wichtig: Achtet immer darauf, alle Auflagen der Genehmigung zu erfüllen. Das schafft Vertrauen bei den zuständigen Ämtern und Besitzern und erleichtert bei zukünftigen Aktionen die Kooperation.
Sammelbehälter

Taucher sollten mit Netzbeuteln ausgerüstet sein, die möglichst reißfest sind. Dabei sollten diese Netze auch nicht zu groß sein, damit sie nicht am Grund entlang schleifen und unnötig Sedimente aufwirbeln oder UW-Pflanzen beschädigen. Lieber einmal mehr auftauchen und den Müll einer Uferstation übergeben. Wo dies nicht möglich ist, kann man auch ein Schlauchboot benutzen, dass von den Tauchern mitgezogen wird.
Für die Uferbereiche nimmt man am besten die ganz normalen großen Müllsäcke. Sollten sehr viele Scherben aufgelesen werden, muss man aufpassen, dass die Säcke keinen Riss bekommen. Es hat sich als vorteilhaft erwiesen, rund um den Uferbereich kleinere Sammelstellen einzurichten. Von dort kann der Müll dann mit Schubkarren (oder wo möglich mit dem Auto) zur Hauptsammelstelle gebracht werden.
Vorbereitung und Briefing
Wild tauchen bei einer Seerreinigung in der Hoffnung etwas zu finden ist unproduktiv. Man sollte daher im Vorfeld die Flachwasserbereiche des Gewässers in entsprechende Zonen einteilen und nach vermuteten Müll-Hotspots (z.B. bei Liegewiesen) sortieren. Anschließend teilt man die Tauchteams ein, die jeweils eine dieser Zonen übernehmen. Entsprechendes gilt auch für den Uferbereich selbst. Hier werden wieder Teams eingeteilt, zu deren Aufgaben es nicht nur gehört, den jeweiligen Bereich zu säubern, sondern auch die Taucher zu unterstützen, z.B. durch Müllübernahme.

Ein ganz besonders wichtiges Thema bei der Organisation einer Seereinigung ist das Briefing. Müll ist nicht immer gleich Müll - besonders im See. Auch wenn nicht alles auf organische Weise abbaubar ist, so können Zivilisationsüberreste doch von der Natur integriert werden. So manches Glas fand eine neue Bestimmung als Laichplatz. Und wenn eine große PVC-Plane von Sedimenten eingedeckt und teilweise überwachsen ist, besteht die Gefahr, dass bei der Entnahme aus dem Gewässer mehr Schaden verursacht wird, als durch die Plane selbst.
Um die richtigen Informationen für eine erfolgreiche und vor allem umweltverträgliche Seereinigung zu haben, lohnt es sich beim Bund Naturschutz nach entsprechenden Richtlinien nachzufragen. Man kann aber auch eines ihrer Mitglieder diesen Teil des Briefings übernehmen lassen, um diese Infos direkt aus erster Quelle zu erhalten.
Müllentsorgung

Wohin mit dem Müll? Unter Umständen kommt eine Menge zusammen - das Ganze will umweltgerecht entsorgt werden. Wer einmal mit einem Anhänger den übel riechenden Müll zu entsprechenden Wertstoff- und Entsorgungshöfen gefahren hat weiß, dass diese Lösung nicht optimal ist. Bei öffentlichen Gewässern sollte man sich daher im Vorfeld (z.B. bei der Genehmigungsanfrage) erkundigen, ob die Land- bzw. Stadtkreise die Entsorgung übernehmen und für die freiwilligen Helfer Container am See aufstellen. Bei Privatseen sollte man versuchen, mit dem Besitzer eine Lösung zu finden.
Sollte sich bei öffentlichen Gewässern die Eigentümer nicht hilfsbereit zeigen, hift oft ein Artikel in der jeweiligen örtlichen Presse. Oft zeigen sich Ämter dann bei ähnlichen Aktionen im nächsten Jahr erstaunlich kooperationsbereit.
Und wenn nicht? Dann hilft nur eins: Nase zuklemmen, bzw. Tauchmaske aufsetzen und Müll selbst sortieren und zu den den entsprechenden Entsorgungsplätzen fahren.
Rahmenprogramm
Klar, man macht solche Aktionen weil man der Umwelt etwas Gutes tun will. Aber ob das reicht, bei eventuell schlechtem Wetter genügend Helfer zu mobilisieren? Gerade auch die Oberflächenhelfer haben nicht einmal den Spaß des Tauchgangs.
Daher sollten sich die Veranstalter etwas überlegen, um die Seereinigung zu einem Gesamtevent zu machen. Das kann von einer einfachen Saisonabschlusspartie mit Glühwein und Würstchen bis hin zu einem großen Süßwasserseminar mit Vorträgen zu verschiedenen Themen von Fachleuten reichen. Wichtig ist, dass alle Beteiligten nicht nur wissen, dass sie ihre Freizeit für einen guten Zweck opfern, sondern dass sie auch alle Spaß an der Aktion haben.

Text: © Andreas Nowotny 2004
Photos: © wie angegeben - Klaus Kohler, Andreas Nowotny, Peter Salis