Der Buddy aus der Hölle?
oder wie man einen erträglichen Urlaubsbuddy findet …
Ich hasse Grabbler, Leute die ständig meinen, sie müssten bei Ihrem Buddy an der Ausrüstung rumfummeln. Gavin war so einer.
Es ging schon am Strand los, als er meinte, ich habe die Flasche noch nicht offen, um sie dann konsequenterweise zuzudrehen. Anschließend präsentierte er mir das Fini, das er natürlich vorher nicht angesehen hatte, um mir zu zeigen, ich habe jetzt Luft. Als wir die Ausrüstung anhatten und einen Buddy-Check machten, war es nicht besser. Ohne auf meine Proteste zu hören, zog er an jedem verfügbaren Band, nahm einen tiefen Zug aus meinem Oktopus und als ich schon dachte, er habe aufgehört, packte er aus nicht nachvollziehbaren Gründen die Flasche von unten und rammte mir die erste Stufe in den Nacken.

Hektische Suche
Unterwasser ging es dann weiter. Kaum waren wir abgetaucht, zupfte er mich am Ärmel und deutete aufgeregt auf etwas hinter meinen Kopf. Als ich Unverständnis signalisierte, griff er an meine erste Stufe, rüttelte daran, zeigte dann auf seine, atmete aus und zeigte auf die Luftblasen. Ah! Mein Automat perlte etwas. Ich wollte eigentlich sagen, Gavin, das ist ein Sherwood, das machen die ersten Stufen da so, kein Grund zur Panik, beließ es aber dann bei einem ausdrücklichen OK-Zeichen. Das beruhigte ihn nicht ganz, denn er beschloss in regelmäßigen Abständen meine Luft zu kontrollieren, indem er sich mein Fini schnappte. Das machte er so lange, bis ich ihm eines auf die Finger gab. Trotzdem konnte er sich das Grabbeln nicht verkneifen.
Zupf. Deut. Ja, Gavin, ich habe die Koralle gesehen. Zupfzupf. Energisches Deuten. Ja, Gavin, da sind Fische in der Koralle. Zupfzupfzupf. Wildes Fingergefuchtel. Jaaaa, Gavin ich sah, dass der eine Fisch an der Koralle knabberte, bis du ihn mit deinem Gezappel verscheuchtest. Zurück an Bord des kleinen Boots wollte ich ihm schon gründlich meine Meinung sagen, als er mich anstrahlte und in breitestem texanisch mitteilte, dies sei nicht nur der letzte sondern auch beste Tauchgang dieses Urlaubs für ihn gewesen. Was soll man da noch sagen? Genauso gut könnte man auch einem kleinen Pudel einen großen Tritt geben.
Wer allein ohne festen Buddy reist, kann ein Lied davon singen, wie schwierig es sein kann, einen Buddy zu finden, mit dem man auf Anhieb harmoniert. Zwar stellt man sich geistig darauf ein, dass es nicht so klappen wird, wie mit dem Dauerbuddy im heimischen See, aber trotzdem hofft man, dass der nächste Buddy nicht wieder einer aus der Hölle ist.
So wie Erich. Zugeteilt von einem mitleidslosen Basenmitarbeiter, war er nie dort wo ich ihn vermutete oder beim letzten Mal gewesen war, nur nie vor mir in Sichtweite. Mal links unten, dann rechts oben, dann direkt über mir, wo ich ihn erst nach einigen Verrenkungen fand. Dann ganz weg, weil er in eine Einkerbung getaucht war, ohne Bescheid zu geben. Ich war die ganze Zeit am hektischen Suchen. Und als wir aufgetaucht waren, äußerte er sich auch noch über meinen hohen Luftverbrauch.
Pflüger, Knipser und Profis
Aber was kann man als Alleinreisender machen, um den schlimmsten potentiellen Buddys zu entgehen und sie einem anderen zu überlassen? Im Idealfall werden die Buddys erst auf dem Weg zum Tauchspot eingeteilt, eingeleitet von dem gefürchteten Satz „Wer hat noch keinen Buddy?“ Dies gibt einem die Gelegenheit, vorher die anderen buddylosen Taucher zu beobachten und so seine Wahl zu treffen. Idealerweise fängt man damit am Abend vorher an der Taucherbar an, aber auch beim morgendlichen Zusammentreffen besteht Gelegenheit.
Das Wichtigste ist das persönliche Gespräch. Handelt es sich um einen Prahler oder ein total verschüchtertes Mäuschen, fliegen sie von der Liste der potentiellen Kandidaten. Nächster Punkt ist die Taucherfahrung, ist diese vergleichbar mit der eigenen oder etwas besser? Das wäre schon einmal ein Pluspunkt. Was will der potentielle Buddy Unterwasser machen, etwa fotografieren? Wenn man selber fotografiert, dann ist das ideal, ansonsten heißt es „Finger weg“, denn Unterwasserfotografen fallen in drei Gruppen:
- Die Pflüger
Pflügen ins Riff rein und halten sich an jeder Koralle fest, die stabil genug erscheint, nur um ein Bild nicht zu verwackeln. Als Buddy ungeeignet, außer man steht auf Fremdschämen. - Die Knipser
Sehen das Riff nur durch den Monitor ihrer Digicam und knipsen was das Zeug hält. Als Buddy ungeeignet, denn sie nehmen ansonsten gar nichts wahr, auch nicht einen Tauchpartner in Not - Die Profifotografen
Verharren perfekt austariert eine ganze Tankfüllung lang auf einem Fleck in der Hoffnung, dass sich Putzergarnele und Muränenmaul doch noch finden. Als Buddy ungeeignet, außer man möchte den Tauchgang damit verbringen, einen Quadratmeter Riff wirklich im Detail kennen zu lernen.
Vorauswahl an Land
Wenn man Glück hat, bleiben nach dem Aussieben noch ein paar Taucher übrig, die in die engere Auswahl kommen. Ein gutes Mittel, etwas über die taucherischen Fähigkeiten an Land heraus zu finden, ist es die anderen beim Zusammenbau der Ausrüstung zu beobachten. Sind die Bewegungen hektisch und die erste Stufe wird erst einmal kopfüber montiert oder merkt ein Taucher nicht, dass ein DIN-Automat nicht ohne Adapter auf eine INT-Flasche passt, spricht das nicht für große Erfahrung und Vertrautheit mit der Ausrüstung. Sitzt hingegen jede Bewegung, kann man den Taucher schon einmal in die engere Wahl nehmen. Auch die Ausrüstung selbst kann Aufschluss geben. Nigelnagelneues Equipment kann auch darauf hindeuten, dass der Besitzer noch nicht so oft in diesen Gewässern war. Umgekehrt kann man auch bei komplett versifftem Tauchzeug Rückschlüsse auf die Person ziehen.
Nach all der Vorauswahl bleibt mit Glück oft gerade noch eine Person übrig, die den Anschein erweckt, dass sie weiß wovon sie redet und was sie tut. Jetzt heißt es schnell handeln, ehe sie von jemand anderem weggeschnappt wird. Und schon hat man seinen perfekten Urlaubsbuddy.
Traumbuddy - aber auch der seines Partners?
So wie Jana. Sie erfüllte alle Kriterien und tauchte wie ein Engel. Perfekt austariert wich sie nicht von meiner Seite, ohne mich zu bedrängen. Reagierte sofort und gab immer schön das OK-Zeichen. Einfach ein Traum. Zumindest solange bis sie mir auf 20m andeutete, dass sie kaum mehr Luft habe. Ein Blick auf ihr Fini bestätigt, dass sie schon unter 50bar gerutscht war. Also ran an den Oktopus und ab nach oben, wo sie meinte: „Komisch, das passiert mir bei tieferen Tauchgängen immer wieder, plötzlich ist die Luft alle!“ Aber ich hatte doch immer abgefragt, ob sie genügend Luft habe. Nein, hatte ich nicht. Ich hatte ihr angezeigt, dass ich genügend in der Flasche hatte, worauf sie mir das OK gab. Ihren eigenen Luftverbrauch hatte sie nicht im Griff und für eine Frau hatte sie einfach einen enormen Lufthunger.
Aber das war etwas, worüber wir sprechen konnten. Denn der wirklich perfekte fremde Buddy ist eine Illusion. Auch für den anderen. Erstaunlicherweise war ich gar nicht der tolle Buddy, der ich glaubte zu sein. Jana meinte, ich habe die Tendenz mich zurückfallen zu lassen und konstant einen Meter über und hinter ihr zu tauchen. Ich sei zwar immer da, aber es wäre etwas anstrengend gewesen, mit mir auf einer Höhe zu bleiben. Das war mir gar nicht aufgefallen und zeigte mir, wie wichtig es ist mit einem neuen Buddy anschließend den Tauchgang zu besprechen. Nicht, dass man am nächsten Morgen an der Basis wieder allein dasteht und den ganzen Prozess verschärft durchlaufen muss, weil es einige Taucher gibt, die nicht mit einem selbst tauchen wollen.
Jana und ich blieben für die restliche Zeit Urlaubsbuddys. Ich bemühte mich neben ihr auf gleicher Höhe zu tauchen und sie bemühte sich auf ihren Luftverbrauch zu achten. Da das nicht so toll klappte, wurde ich gezwungenermaßen zum Grabbler und griff mir während der Tauchgänge immer wieder ihr Fini …
… zu meiner eigenen Beruhigung.