Menschen, Themen, Sensationen?

Vierzig Jahre boot: Für Taucher ist sie längst zu einem Fixtermin geworden. So lockt die Dive Show in Halle 3 mit der Surfhalle zusammen die meisten Messebesucher an.

Trotz eines deutlich spürbaren Publikumsrückgangs 2009 sind die Aussteller insgesamt zufrieden. Die Zahl der qualitativ hochwertigen Gespräche ist angestiegen. Statt Besucherströmen, die auf der Suche nach dem ultimativen Schnäppchen sind, kommen nun Taucher, die auch im Reisesegment nach exklusiven Zielen suchen. Allein was fehlt sind Sensationen. Die boot 2009 ist in vielen Bereichen die boot 2008, nur mit freieren Gängen. Klar, der Tauchturm wurde umgestaltet, Hersteller zeigen einige neue Produkte und auch bei den Reiseveranstaltern sind neue Gesichter hinzugekommen. Was aber fehlt, das ist der „Wow-Faktor“. Etwas, dass das Zeug hätte, Messegespräch zu werden und das Besuchern noch lange nach der Ausstellung in Erinnerung bleibt.

Equipment, das so innovativ ist, dass es das Tauchen revolutioniert, wird gar nicht erwartet. Wichtiger wären Impulse, die zeigen, wohin sich die Taucherei in den nächsten Jahren bewegen könnte. Ideen, die einen neuen Schwung in die Branche bringen. Reine Modellpflege mit kleineren Schönheitskorrekturen und Anzüge in neuen Farben gibt es schließlich jedes Jahr. Ein Beispiel für solch ein innovatives Produkt wäre der Indeflator. Vor ein paar Jahren groß angepriesen wurde erwartet, dass er innerhalb kürzester Zeit den alt hergebrachten Inflator ablöst. Dies ist zwar nicht geschehen, aber es war zumindest ein neuer Ansatz, der die Art veränderte, wie über das Jacket und das Thema Tarierung gedacht wird.

Auch der Aquapilot war ein Produkt, das neue Denkanstöße gab. Obwohl sich das Konzept einer Tarierautomatik nicht durchsetzen konnte und auch von keinem der großen Hersteller übernommen wurde, es sind genau solche Ideen, die frischen Wind in die Szene bringen. Ideen, die man momentan vergeblich sucht. Eine echte Revolution waren die ersten Unterwassergehäuse für kompakte Digitalkameras. Mit einem Mal wurde die Unterwasserfotografie Tauchern mit dicken Geldbeuteln entrissen und der breiten Masse ermöglicht, erschwingliche Bilder aus dem Urlaub zurück zu bringen. Heute kann man aus einem breiten Angebot wählen, von einfachen Kameras, die ohne spezielles Gehäuse ein paar Meter tief wasserfest sind, bis hin zu High-End-Domeport-Lösungen für den ambitionierten Unterwasserfotografen. Die gleiche Entwicklung gab es im Bereich Video, wo ebenfalls eine Riesenauswahl an Gehäusen um die Gunst der Käufer buhlt.

Karibisches Feeling

Im Bereich Tauchreisen sucht man auch vergeblich nach der einen Destination, in deren Schatten alle anderen Reiseziele verblassen. Andererseits zeigt ein Gang durch Halle 3 vielleicht etwas anderes, das durchaus als Sensation gelten könnte: Wie gewöhnlich manch vormals exotische Reiseziele geworden sind, sieht man an Lombok: Vor wenigen Jahren nur nach mühsamer Anreise zu erreichen und zusammen mit den Gilis hauptsächlich abenteuerlichen Rucksacktouristen vorbehalten, kann man inzwischen bequem von Bali nach Mataram fliegen und die dortige Unterwasserwelt erkunden. Trotz steigender Kerosinpreise und den nicht nachvollziehbaren Aufpreisen für das Tauchgepäck: Uns Tauchern stehen Reiseziele offen, von denen wir noch vor zehn Jahren nur träumen konnten.

Auch in anderen Bereichen gibt es Zeichen der Hoffnung. Scubapro drängt mit seinem neuen Flaggschiff A 700 wieder mit voller Kraft zurück auf eine wichtige Marktposition, erstmals auf der Messe vertretene Anbieter wie Beluga setzten Akzente in der Reisebranche. Wäre doch gelacht, wenn sie es zusammen mit anderen nicht schaffen würden auf der boot 2010 für noch mehr frischen Wind zu sorgen.



              
Mail an Andreas || Seite weiterempfehlen || Drucken


Außer wenn gesondert angegeben: Texte und Photos & Illustrationen © 1999 - 2012 Andreas Nowotny

Letzte Änderung 19-Jan-11 12:34