Von Äpfeln und Birnen

Verpackung macht den Inhalt schön

Die Messe neigt sich dem Ende zu. In den vergangenen acht Tagen wurde neues Equipment begutachtet und die Touristikstände nach aufregenden Tauchdestinationen durchsucht.
















Aber da war doch noch etwas? Richtig, ein weiterer großer Block auf der „boot“ sind die Vertretungen der Tauchorganisationen. Barakuda, IDA, PADI, SSI, TDI/SDI, VDST oder VDTL sind nur einige der Verbände, die sich in Halle 3 präsentieren und dies ist noch nicht einmal eine abschließende Liste der Möglichkeiten, in Deutschland seinen Tauchschein zu erwerben.

Die Auswahl an Tauchorganisationen in diesem Land scheint unerschöpflich. Verfolgt man die Entwicklung, könnte man glauben, dass sich alle paar Monate einige Tauchlehrer, unzufrieden mit ihrer aktuellen Organisation, zusammensetzen und einen neuen Ausbildungssverein gründen. Die meisten fristen ein Nischendasein und sind nur Eingeweihten bekannt. Auf der „boot“ sucht man sie vergeblich. Und trotzdem erschlägt die Auswahl an vertretenen Ausbildungsorganisationen viele Tauchinteressierte.

Während sich die Tauchartikelhersteller in ihren Produktpaletten, Konstruktions- und Materialmerkmalen unterscheiden und die Unterwasserwelt vor Bali andere Highlights bietet als die vor Kroatien, stehen die Tauchausbilder vor zwei Problemen: Immer mehr Organisationen buhlen um die Gunst immer weniger neuer Tauchinteressierter und prinzipiell verkaufen sie alle das gleiche Produkt. Mit dem Thema Tauchausbildung auf der „boot“ verhält es sich daher wie in einem Obstladen. Ob Golden Delicious, Granny Smith, Jonagold oder Holsteiner Cox, manche mögen süßer sein, andere fester im Biss, aber letztlich handelt es sich immer um Äpfel.

Auf die Ausbildungsorganisationen übertragen bedeutet dies, dass, wenn auch in unterschiedlichen Ausprägungen, gleiche Theorieinhalte und die gleichen Praxisfertigkeiten, in verschiedene Gewänder drapiert werden, um dem potentiellen Kunden die Entscheidung schmackhaft zu machen. Für diesen jedoch stellt sich die grundsätzliche Frage, warum er ausgerechnet zu dieser oder jener Organisation gehen sollte, kann er doch meist über die Qualität keine wirkliche Aussage treffen. Dazu gesellen sich noch Ängste, dass das teuer erworbene Brevet unter Umständen irgendwo nicht anerkannt wird.

Positive Entwicklung

Sehr positiv zu begrüßen ist daher der deutliche Wandel des Umgangs der Tauchorganisationen miteinander. Vor Jahren standen sich praktisch verfeindete Blöcke gegenüber. So wurden auf ihren Basen zum Leidwesen der Taucher die Brevets der Mitbewerber nicht anerkannt. Heute hat sich das Bild deutlich gewandelt. Tauchlehrern wird der Wechsel zu anderen Organisationen erleichtert und Dank der Äquivalenzlisten hat man keine Probleme mit seinem Brevet praktisch überall in der Welt zu tauchen.

Für die überwiegend ideellen Verbände ist der CMAS die Heimat der Wahl. Egal bei welcher Tochterorganisation die Ausbildung durchlaufen wird, die Einhaltung der CMAS Mindeststandards wird garantiert. Unter dem Mantel der RSTC haben sich kommerziell ausgerichtete Organisationen zusammengeschlossen, unter anderem Barakuda, IDEA Europe, IDD, PADI, SDI und SSI. Auch hier war bei der Gründung eines der Ziele die Festlegung von Mindeststandards in der Tauchausbildung der ihr angeschlossenen Einzelorganisationen. Die RSTC war daher auch maßgeblich an der Ausarbeitung der Euro-Normen zur Tauchausbildung beteiligt. Darüber hinaus bietet sie ihren Mitgliedern auch eine neutrale Plattform zum gegenseitigen Austausch und auch zur gemeinsamen Kommunikation mit anderen Interessensverbänden.

Derzeit einziges Mitglied beider Dachverbände ist Barakuda. Sie zeigen damit, dass es möglich ist, den Brückenschlag von ideeller und kommerzieller Ausbildung zu schaffen, moderne Vermittlungsmethoden mit inhaltlicher Tiefe zu kombinieren und zu integrieren statt auszuschließen.

Und der tauchinteressierte Messebesucher?
Weiß immer noch nicht genau, was der beste Weg für seine Tauchkarriere ist. Aber dafür ist er ja in die Halle 3 gekommen: Um sich in Ruhe den Apfel auszusuchen, der ihm am besten schmeckt.



              
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Außer wenn gesondert angegeben: Texte und Photos & Illustrationen © 1999 - 2012 Andreas Nowotny

Letzte Änderung 19-Jan-11 12:36