boot 2007
Eine Jacht zum Tauchen
Teppich dämpft den Hall des Schrittes. Klassische Musik ertönt leise aus einem versteckten Lautsprechersystem. Keine laute Stimme durchbricht die gediegene Atmosphäre des Wohlstands.
Ohne Zweifel, man befindet sich nicht mehr im Gewusel der Halle 3 bei den Tauchern, sondern im luxuriösen Ambiente der Halle 6 bei den Superjachten.
Sonntag Nachmittag, kurz nach drei Uhr. Die Arbeit am DiveInside ist erledigt, die Messe lädt zum Bummel ein. Wohin die Schritte der Taucher.Net Redakteure Harry und Andreas führen sollen, ist schnell überlegt. Vier Tage auf der Boot zu verbringen ohne den Superjachten einen Augenblick zu gönnen ist undenkbar. Also auf zu den Spielzeugen der wenn auch nicht immer Schönen, so doch Reichen.
Es gibt zwei Möglichkeiten auf Tuchfühlung mit den Jachten zu kommen. Auf dem blauen Teppich zwischen den Booten wandelnd oder die Halle auf einem Art Aussichtssteg rundrum zu umgehen. Bleibt man auf dem Teppich, kommt man teilweise sehr nahe an die Boote. Bei einigen Ausstellern ist es auch möglich auf eine Art Aussichtsplattform zu gelangen und von dort in das Innere der Schiffe zu spitzeln. Die Boote selbst sind nicht begehbar - außer man hat Kaufinteresse und einen Termin. Den haben natürlich nur wenige Auserwählte, dafür dürfen sie mit dem Verkaufspersonal Champagner schlürfend das Boot inspizieren.
Dem Rest des Publikums, meist erkennbar an einer oder mehreren Tüten mit Schnäppchen aus einer anderen Halle, bleibt nur der sehnsüchtige Blick und das Wissen, dass sie sich wahrscheinlich nicht einmal den Anker leisten könnten. Nicht, dass es nicht auch in dieser Halle Messepreise und das ein oder andere Schnäppchen gäbe. Wenn aber der Traumpreis für das Traumboot mit nur noch € 999.000,- angegeben ist, dazu ca. 10% jährliche Unterhaltskosten kommen und das Boot nicht einmal groß genug ist, um einen anständigen Tauchkompressor und ein paar Doppelflaschen zu verstauen, muss man sich doch von dem Gedanken verabschieden, mit dem netten Herren im grauen Anzug handelseinig zu werden.
Apropos Anzug, der anschließende Rundgang auf der Aussichtsplattform offenbart, dass man die Kaufinteressenten durchaus auch an den Beinkleidern erkennen kann. Auf fast jeder Jacht fielen die Hosen der aufstehenden Männer mit einer Grazie in Form, die auf teure Stoffe schließen ließ. Natürlich wollten Frauen und auch Kinder nicht zurückstehen, nur leider zeigte sich mehrfach, dass teurer Stoff und geschmackvolle Kleidung nicht immer deckungsgleich sind. Tröstlich für die, die auf der Ballustrade auf das Deck herunterschauten, in dem sich ein vierjahriges Kind im Diorkleid tummelte. Immer wieder sah es zu den Gaffern hinauf, auf den Lippen die Frage "Mama, sind das die armen Leute von denen du immer erzählst?"
Oder der knapp Achtzehnjährige, der leicht blasiert seinen Freunden ein Speedboot zeigte, während sein Vater im Hintergrund mit dem Verkäufer handelte. "Sohn, zu deinem achtzehnten Geburtstag kaufe ich dir ein Speedboot und dann fühlen wir uns beide wie James Bond." Vater und Sohn beweisen leider, dass man aber auch trotz Smoking mit Fliege auf einem solchen Boot deplatziert wirken kann.
Viel erschreckender als der mangelnde Geschmackssinn vieler Superreicher war jedoch die Tatsache, dass unter all den Superjachten keine einzige war, die man sofort uneingeschränkt als Tauchjacht haben möchte. Und mit dieser tröstenden Erkenntnis machten sich Harry und Andreas frohen Schrittes auf zurück in den Tauchertrubel von Halle 3.




