Attersee-Event 2006
30.09. - 02.10.06
Für den Morgen des heutigen Sonntags war ein weiterer Tauchgang an der Schwarzen Wand geplant. Aber zuerst musste ein trockener Trocki besorgt werden.

Ein Blick aus dem Fenster verhies nichts Gutes: der Himmel war mit Wolken zugezogen und es fielen vereinzelt Regentropfen zu Boden. Nach einem guten Frühstück, bei dem Oli und ich von der Wirtin als Weichlinge abgetan wurden, weil wir statt Kaffe Tee bestellten ;-) machten wir uns langsam auf den Weg zur Tauchbasis Nautilus, weil Oli und Kurt noch ihre Flaschen füllen ließen. Ich hatte nach dem gestrigen Tauchgang, trotz der anstrengenden Flosselei und des Wassereinbruchs noch 150bar in meiner D12 und beschloss den Morgentauchgang damit zu bestreiten. An der Basis angekommen riss der Himmel etwas auf, es versprach dann doch ein schöner Tag zu werden.
Ich ging zum Camaro-Stand, um nach der Möglichkeit zu fragen, einen Ihrer Trockis zur Probe zu tauchen. Kein Problem, die Frage war nur welchen. Da nur ein Trilaminat geeignet war (ich wollte an der Schwarzen Wand ja keine Experimente mit Bebleiung machen) kamen zwei Anzüge in Frage. Der eine schied aus, weil an sein Trockenhandschuhsystem zwei linke Handschuhe montiert waren und für den anderen brauchte ich halbtrockene Handschuhe. Die natürlich zu Hause lagen. Aber da diese eh in einem jämmerlichen Zustand, mit Löchern übersäht, waren, kaufte ich mir ein neues Paar und nahm den feuerroten ArcticProof mit zum Tauchmobil zurück. Oli und Kurt sammelten Twiggl und Heli ein und los ging es zur Schwarzen Brücke
Die Schwarze Wand
Wir hatten beschlossen, diesmal auf den Sport zu verzichten und so oder so den Haupteinstieg zu benutzen. Wir hatten Glück - gerade als das Tauchmobil den ersten Parkplatz ansteuerte, fuhr ein anderes Taucherauto fort. Wir ließen Twiggl und Heli noch die kleine Böschungsstraße vor uns hinauf und hatten so alle einen guten Stellplatz am Einstieg. Oli vertäute als erstes einmal sein Abschleppseil als Ab- und Aufstiegshilfe am Einstieg, dann rödelten wir uns alle an. Twiggl wusste inzwischen, dass das Augsburger Buddy Commando etwas länger brauchte, ließ sich mit dem Umziehen Zeit und machte lieber peinliche Photos von ihren Mittauchern. Der Einstieg in den Camaro war erst einmal ungewohnt, da es sich um einen Trocki mit Frontreißverschluss handelt. So ungewohnt, dass ich den Verschluss gleich mal etwas auf ließ, was zum Glück von Kurt bemerkt wurde.

Dann ging es den Hang hinunter zum Einsteig. An dern Kreuzen vorbei, was wieder für ein merkwürdiges Gefühl sorgte. Nach dem Buddycheck und einem OK ging es dann ab in die Tiefe. Auf die 10 Minuten Flosseln zu verzichten erwies sich als gute Idee. Dadurch wurde der Tauchgang schon nach ein paar Minuten wirklich spektakulär! Das Abschwingen der Wand ins Bodenlose, die Felsformationen, frei schwebende Buddys, die Blicke nach oben, dem Hellgrünen entgegen - dies sind wirklich Bilder die den Tauchgang so grandios machen. Andererseits, wie schon vorher gesagt, ein keineswegs einfacher Tauchgang, dessen Gefahren nicht zu unterschätzen sind. Stetiges Kontrollieren der Buddys, des Luftvorrats, Tiefe und Tauchzeit sind unabdingbar. Man sollte außerdem immer etwas in sich hineinhorchen und bei sich und den Buddys auf Anzeichen von Tiefenrausch achten. Persönliche Tiefengrenzen sollten unbedingt eingehalten werden - an dieser Stelle kann Gruppenzwang und/oder Selbstüberschätzung schnell fatal werden.
Trotzdem, bzw. deswegen ist die Anzahl der Tauchunfälle und die Ansammlung der Kreuze am Einstieg auch so erschütternd. Sie sind ein allzu deutlicher Beweis dafür, dass solche Tauchplätze nicht unbedingt inherent gefährlich sind, sondern die Gefahren durch mangelndes Können und falsche Ausrüstung schnell potentiert werden. Denn im direkten Vergleich mit anderen Tauchspots, wie der Gallerie im Walchensee oder der Allmannshauser Steilwand im Starnberger See schneidet die Schwarze Wand vom Schwierigkeitsgrad her etwas leichter ab. Da die Wand selbst größtenteils nicht 90° abfällt und es auch nur sporadisch Überhänge gibt und durch den Faktor Helligkeit, der bei den anderen beiden Tauchplätzen nicht vorhanden ist, empfand ich die psychologische Herausforderung der Schwarzen Wand deutlich geringer. Eigentlich ist der Tauchplatz für erfahrene Steilwandtaucher ein idealer Spot. Allerdings, wie alle Steilwände dieser Art, einer der keine Fehler zulässt. Das bedeutet, dass ein Taucher für einen Tauchgang an der Schwarzen Wand folgendes benötigt:
- die richtige Tauchausrüstung
- Trocki
- genügend Gasvorrat - möglichst Doppelpack
- 2 Abgänge
- 2 gute Kaltwasserautomaten
- ausreichenden Auftrieb
- entsprechendes Können
- Kaltwassererfahrung
- Tieftaucherfahrung
- Steilwanderfahrung
- u.U. Deko-Erfahrung
- physische und psychische Voraussetzungen
- körperliche Fitness
- ausgeschlafen und nüchtern
- mental ausgeglichen
- eigenes Können vernünftig einschätzen
- keinem Gruppenzwang unterliegen

Weil bei uns diese Faktoren gegeben waren, das Augsburger Buddy Commando ein eingespieltes Buddyteam ist und auch das zusammen Tauchen und die UW-Verständigung mit Twiggl und Heli super klappte, konnten wir einen wunderschönen Tauchgang an der Schwarzen Wand genießen. Aber auch dieser Tauchgang war zu bald wieder zu Ende und wir machten uns an den Rückweg. Da diesmal die lange Strecke zum hinteren Einstieg entfiel, saßen wir unsere Deko, Faxen machend, im 3m Bereich des ersten Einstiegs ab.
Mittag!
Nachdem wir uns umgezogen hatten, ging es zurück nach Weyregg. Flaschen füllen und Mittagessen stand auf dem Programm. Außerdem musste ich auch Camaro den Trocki zurück geben, der mich wunderbar trocken gehalten hatte (hier findet ihr einen kleinen Bericht über das Probetauchen des Camaro ArcticProof). Meine Mittaucher beschlossen, dem K.u.K. wieder einen Besuch abzustatten, ich blieb an der Basis und übernahm zusammen mit Brigitte Auer den Taucher.Net-Stand.

Verhungern musste ich auch nicht, da die Tauchbasis Nautilus den großen Grill angeschmissen hatte und ich meinen Hunger nach dem langen Tauchgang mit einem leckeren Steak und einer großen Ladung Pommes stillen konnte. Brigitte arbeitet auf der Basis Magic Dive am Traunfall ihres Taucher.Net-Kollegen Harry Buchner, mit dem sie zusammen den Tauchführer Österreich verfasst hatte. Zwischen Gesprächen mit Tauchern die an den Stand kamen, zeigte sie mir Bilder vom Flusstauchen in der Traun. Wirklich eindrucksvoll! Ich beschloss Oli und Kurt vorzuschlagen, am Montag dann an die Traun zu fahren und dort einen Flusstauchgang zu machen.
Nachdem ich mich noch eine Weile als Babysitter für die Tochter unseres Taucher.Net Chefs Armin betätigt hatte und über den Spielplatz gefetzt war, kamen auch schon meine gesättigten Buddys zurück. Sie hatten mir vom K.u.K auch etwas mitgebracht: eine Tauchplatzänderung! Unterwasserwald war gestrichen, statt dessen stand die Madonna auf dem Programm. Auch das Team würde sich ändern. Heli übernahm von mir den TN-Stand, statt ihm stieß der Franz zu unserer Gruppe. Außerdem meinte Twiggl, am Tauchplatz würde eine Überraschung auf mich warten.