Attersee-Event 2006
30.09. - 02.10.06
Die Schwarze Brücke
Die Schwarze Brücke (auch Schwarze Wand) ist wahrscheinlich der berüchtigste Tauchplatz am Attersee. Durch viele Todesfälle errang er leider eine traurige Berühmtheit.

Erst einen Tag vor unserem Tauchgang kam es zu einem weiteren, zum Glück nicht fatalen Unfall an der Schwarzen Brücke. Die Gefährlichkeit liegt an der Steilwand, die von ca. 10m auf über 90m abfällt. Wer hier nicht anständig tarieren kann, hat schon einmal ein Problem. Wahrscheinlich sind auch die relative Helligkeit und sehr gute Sicht Gefahrenfaktoren, weil sie möglicherweise viele Taucher dazu verleiten, tiefer zu tauchen, als man es normalerweise machen würde. Die Gefahr des Tiefenrauschs ist an dieser Stelle dann nicht zu unterschätzen. Wenn man dann auch noch Equipment hat, dass für diese Bedingungen nicht geeignet ist, hat man schnell sehr schlechte Karten.
Die Schwarze Brücke liegt noch einmal ein gutes Stück hinter dem Morgentauchgangsplatz. Parkplätze sind hier sehr rar gesäht und wir konnten auch nicht direkt am Einstieg parken. Von unserer Parkbucht aus gingen wir erst einmal los, um den Einstieg in Augenschein zu nehmen. Erster Eindruck: der Einstieg ist richtig steil, ein Seil würder hier gute Dienste leisten. Zweiter Eindruck: makaberer Einstieg ins Taucherlebnis. Am Hang steht eine größere Anzahl Kreuze und erinnert an verunglückten Taucher. Nicht wirklich der Ort um in einen unbeschwerten Fun-Tauchgang zu starten, die Gefahren dieses Platzes werden durchaus wirkungsvoll in Erinnerung gerufen.

Zurück am Auto beschlossen wir, nicht am eigentlichen Einstieg rein zu gehen, sondern direkt von unserem Parkplatz aus und von dort in ca. 10m zur Wand zu Tauchen. Das Umziehen ging einigermaßen ungemütlich von statten, weil durch den sehr schnellen Verkehr eine erhöhte Unfallgefahr bestand. Schließlich sammelten wir uns nach heilem Überqueren der Straße in voller Montur am Ufer. Twiggl, Kurt und Oli krabbelten über die Steine in den See, Heli und ich sprangen von der Uferbefestigung rein.
Nach einem kurzen Ok ging es dann ab - im wahrsten Sinne des Wortes. Heli legte mit starkem Flossenschlag ein Tempo vor, das mich daran erinnerte, warum regelmäßiges Flossentraining im Bad sinnvoll ist ;-). Leider musste ich mit meiner Halsmanschette kämpfen, die schon die letzten Wochen Ärger machte. Mehrfach ergossen sich größere Wassermengen in meinen Trocki, der dadurch zu einem richtigen Nassi wurde. Zum Glück wusste ich, dass mein Wheezle Extreme Unterzieher auch in ziemlich nassem Zustand mollig warm hält, ansonsten hätte ich den Tauchgang abgebrochen. Kaum waren wir tiefer als 15m hörten die Wassereinbrüche abrupt auf.

Nach ca. 10 min stetigem Flosseln erreichten wir die Schwarze Wand. Rechts von uns schwang sie sich majestätisch ins Nichts. Ab ca. 20m wurden wir durch eine grandiose Sicht von mindestens 25m für die Antauchmühen belohnt. Erstaunlich (wie auch schon beim letzten Tauchgang) war die relative Helligkeit auf Tiefe. Im Starnberger- oder Walchensee wäre es auf vergleichbarer Tiefe zappenduster gewesen. Lampen waren eigentlich unnötig, sie wurden nur gebraucht, um interessante Felsformationen etwas genauer auszuleuchten. Trotzdem hatte ich meine Lampe, eingehängt am Schritt-D-Ring eingeschaltet und glitt wie ein Flugzeug mit Landelichtern über dem Abgrund. Das Licht verlor sich in großer Tiefe.
Wenn man sich aufrichtete und die Felswand ins grüne Gegenlicht empor sah, hatte man einen atemberaubenden Anblick vor sich. Auf diese Weise war die Wand wirklich schwarz. Die Mittaucher schienen im Wasser über dem Abyss zu schweben. Ein grandioses Schauspiel für die Augen. Ich bedauerte sehr, meine Kamera nicht mitgenommen zu haben, hatte aber ob der Tauchtiefe einen Wassereinbruch befürchtet. Eine weise Entscheidung, denn Helis Gehäuse hielt dem Druck nicht stand und ließ genug Wasser hinein, um den empfindlichen Blitz zu beschädigen. Zum Glück kein Totalverlust, aber trotzdem mehr als ärgerlich.
Auch in schönsten Momenten kommt der Zeitpunkt der Umkehr, wir wollten auch nicht die Deko unnötig verlängern. An der Wand entlang traten wir den Rückweg zur Oberfläche an. Dank des langen Wegs vom Haupteinstieg zu unserem, hatten wir die Deko bis zum Erreichen des Einstiegs mehr als abgebaut. Leider nicht nur dass - ab 15m merkte ich, dass sich das Wasser in mehreren Schüben wieder in meinen Anzug ergoss. Das war mehr als ärgerlich! Zurück an Land beim Umziehen stellte ich fest, dass mein Gefühl nicht getrogen hatte: Funktionsunterwäsche klitschnass, Unterzieher nass und aus dem Anzug konnte ich auch noch Wasser gießen. Trotzdem war ich mir mit den anderen Tauchern unserer Gruppe einig, dass dies wirklich ein ganz grandioser Tauchgang war.
Tauchparty, die erste!

Nach dem Umziehen schnell zurück ins Hotel, frisch machen und dann zurück ins K.u.K.! Dort fand auch die Abendveranstaltung statt, aber ehe wir in die Partyräume K.u.K Meierei gingen, die von der Freiwilligen Feuerwehr von Weyregg bewirtschaftet wurden, aßen wir im Restaurant gepflegt zu Abend. Die Tauchgespräche kreisten um die Veranstaltung, das Taucher.Net, die vergangenen Tauchgänge und natürlich um das Thema "Wo tauchen wir morgen". Kurt, Oli und ich waren uns einig, wir wollten auf jeden Fall noch einmal an die Schwarze Brücke. Ich wollte den Tauchgang auch ganz gerne mal trocken machen und beschloss daher auf das Probetauchangebot von Camaro einzugehen.
Nach einem vorzüglichen Essen (ich hatte eine exzellente gebratene Forelle mit Mandeln und Reis) gingen wir hinüber zur Party. Ich kannte die Räumlichkeiten schon vom TNT VII im Salzkammergut, als dort das Weyregger Oktoberfest statt fand. Schnell fanden wir den Taucher.Net-Tisch und gesellten uns zu meinen Kollegen. Wieder einmal zeigte sich, was für klasse Leute sich bei Taucher.Net-Veranstaltungen treffen. Ob alte Bekannte oder neue Gesichter, man kommt schnell ins Gespräch und es herrscht eine super Atmosphäre.

Einer der Programmpunkte war der Film "Hunters at the Cape of Storm", in dem ein Jahr im Leben der Tiere dieses Südafrikanischen Kaps dargestellt wird. Der Film bestach durch teilweise atemberaubende Aufnahmen und fand bei den anwesenden Tauchern ein großes Publikum. Leider wirkte er aber auch Party-hemmend, denn nach Ende des Films war ein deutlicher Stimmungsabfall zu spüren. Gespräche die durch den Film zum Versiegen kamen, wurden nicht wieder aufgenommen, die Gäste zerstreuten sich und nicht wenige gingen in ihre Hotelzimmer. Am Taucher.Net-Tisch kam schnell wieder Stimmung auf, unterstützt nicht zuletzt durch Armin's Taucher.Net-Schnapps, von dem auch die Chefredakteure von Tauchen und Duiken gerne ein Stamperl probierten. Nach einem Gläschen war für uns auch schon Schluss, denn am nächsten Morgen stand ein anstrengender Tauchgang bevor. Daher verabschiedete sich das Augsburger Buddy Commando und lief im Mondenschein zum Hotel zurück.
