TNT IX - Schweiz
Die Jura
Nach dem Autorennen des Vortages waren alle verblüfft, dass wirklich alle Autos zusammenblieben, selbst durch Zürich durch. Erster Stopp war die Autobahnraststätte Kemptthal, wo wir auf einen Tagesteilnehmer warteten. Während der Aufwärmpause erfolgte dann auch die offizielle Ziehung der von Armins Tauchteam gestifteten Preise geleitet von Ioannis der die Rechtmäßigkeit der Ziehung überwachte:
- Der erste Preis, eine zweitägige Fahrt zu den Similan Islands inklusive 4 TG ging an Boris.
- Den zweiten Preis, eine Tagestour zu den Similan Islands mit 2 TG, zog Birgit
- Jessica sicherte sich den 3. Preis, eine Ausfahrt von Pukhet aus mit 2 TG

Nachdem der TNT Tagesgast zu uns gestoßen war, machten wir uns auf den restlichen Weg zum Bodensee. Sah das Wetter bisher eigentlich ganz positiv aus, so verdüsterte sich der Himmel mit jedem Kilometer, den wir näher an den Bodensee kamen. Als wir an Konstanz vorbei fuhren, goss es wieder aus allen Kübeln. Endlich am Parkplatz in Bottighofen angekommen, stellte sich den Trockentauchern die Frage, wie man denn trocken in seinen Trocki reinkommen sollte. Einige verrenkten sich im Fahrersitz, andere nahmen etwas Nässe in Kauf und die ganz Schlauen gingen zu Ioannis und zogen sich in seinem Camper um. Während des Umziehens kam der Skipper des Bootes zum Kassieren und zum Stempeln des Logbuchs.

Eingehüllt in gelbes Ölzeug blieb er mit Sicherheit von uns allen der trockenste. Fertig angerödelt machten wir uns auf den Weg zum Boot. Ich kämpfte derweil mit meinem Computer. Nach dem letzten TG am Morgen wollte ich ihn auf Nitrox umstellen, wozu er sich aber nicht bewegen ließ. Da ich aber an der Jura mit EAN 32 tauchte, wollte ich ungern die Luftdeko absitzen, in die mich der Vyper sicher schmeißen würde. Aber egal was ich machte, er ließ sich nicht dazu bewegen, den Luftmodus zu verlassen.
Auf dem Weg zur Jura

Das Boot das uns zur Jura brachte war ein kleines Aluminiumboot mit Platz für gerade 12 Taucher. Während das Boot, durch den Wellengang wild schaukelnd, seinen Weg zur Jura machte und uns der Regen ins Gesicht peitschte, hielt der Skipper ein Briefing ab. Abgesehen von den Kopfhauben und dem Wind erschwerte sein starkes Schwyzerdeutsch das Verständnis. Die wichtigsten Punkte aber kamen an: Maximale Grundzeit 18min, Jura ist ein historisch wichtiges Wrack, sehr zerbrechlich, also Abstand halten und man dürfe an der Jura nicht ankern - sähen wir einen Anker, sollten wir ihn kappen!
Als wir die vom Skipper gesetzte Boje, in deren Nähe noch ein anderes Schiff vor Anker lag, erreichten, setzten wir unsere Masken auf, nahmen die Regler in den Mund, knieten auf die Sitzbänke und ließen uns vornüber ins Wasser plumpsen. An der Wasseroberfläche sammelten sich die verschiedenen Teams, dann ging es am Bojenseil entlang in die Tiefe. Wir merkten schnell, dass eine beträchtliche Strömung herrschte und waren um die Leine froh, denn an einen freien Abstieg wäre bei den Wetterbedingungen nicht zu denken gewesen.

Plötzlich erschien die Jura im Blickfeld. Mein erster Eindruck war, dass sie um einiges größer ist, als ich dachte. Die Sicht war zwar relativ gut und wir hatten sogar noch etwas Oberflöchenlicht, trotzdem erhob sich die Jura nur schemenhaft vom Grund. Der Mythos vom Bodensee lag direkt vor uns. Bei dem wahrscheinlich berühmtesten Wrack des deutschsprachigen Raums handelt es sich um einen Raddampfer, der am 12. Februar 1864 im dichten Nebel von dem Schiff "Stadt Zürich" gerammt wurde (ein Schiff, dass schon am Untergang der Vorgängerin der Jura schuld war!).

Passagiere und Besatzung (bis auf einen Matrosen, der beim eigentlichen Zusammenstoß ums Leben kam) konnten sich noch auf das andere Dampfboot retten, ehe die Jura mitsamt ihrer Ladung (u.a. Käse, Baumwolle und Rinder) innerhalb kürzester Zeit versank. Es dauerte über 100 Jahre, bis sie von einem Taucher wieder entdeckt wurde und dann vergingen noch etliche Jahre, bis sie zu der Tauchattraktion wurde, die sie heute darstellt. Leider hat dieser Status für die Jura auch erhebliche Nachteile. Zum größten Teil aus Holz bestehend, ist sie äußerst anfällig für jegliche Einwirkung und Anker von Tauchbooten haben schon einiges an Verwüstung ausgelöst.

Aber auch die Angewohnheit einiger Taucher, sich prinzipiell Souvenirs vom Grund mitzunehmen, hat der Jura geschadet. Kein Wunder, dass unser Skipper so verärgert über die an der Jura ankernden Tauchboote gesprochen hatte. Wir hielten uns an das Briefing und auch Abstand vom Wrack. Die Jura ist komplett von sehr feinem Sediment bedeckt, das bei Unachtsamkeit sofort aufwirbelt und die Sicht schlagartig sehr schlecht werden lässt.

Vorsichtig tarierend nahmen wir das Wrack in Augenschein. Das ca. 42m lange Wrack bietet dem Taucher eine Vielzahl von Sehenswürdigkeiten, angefangen vom großen Namenszug, über die filigranen Holzschnitzereien am Bug, die Kurbelstange an der früher die Schiffsglocke hing (die nicht geklaut wurde, sondern sich in einem Museum in Kreuzlingen befindet), die Schornsteine, Dampfkessel, die Schaufelradanlage bis hin zu einem Plumsklo! Immer wieder erschienen aus dem Dunkel Scheinwerfer und dann die dazu gehörigen Taucher unserer Gruppe. Ein wirklicher großartiger Tauchgang, der nach nicht ganz 20 Minuten leider schon vorbei war.

Ehe wir alle am Bojenseil wieder aufwärts tauchten, fand Ioannis heraus, dass das andere Schiff tatsächlich direkt an der Jura geankert hatte. Nachdem er aber Besitzer eines guten Tauchermessers war, war dem schnell nicht mehr so. Der Aufstieg war ziemlich anstrengend - was nicht so sehr an der Strömung lag, sondern eher daran, dass wir als Pulk hochgingen. Im Bereich über 6m sprudelte das Wasser wie in einem Kochtopf, vor lauter Blasen konnte man die Instrumente teilweise nicht richtig ablesen und kleinere Tarierschwierigkeiten wirkten sich dadurch aus, dass einem jemand von unten die Flasche in den Magen rammte. Aber langsam lichtete sich das Durcheinander und übrig blieb das BTA. Der frühe TG in Verbindung mit der Weigerung meines Computers, sich auf Nitrox umstellen zu lassen, sorgte bei mir für einige Minuten Deko, die ich auch brav absaß.

Anschließend an der Wasseroberfläche angekommen erwarteten die anderen uns schon im Boot. Wir stiegen schnell ein, dann ging es im strömenden Regen zurück nach Bottighofen. Während der Fahrt teilten wir alle natürlich unsere Eindrücke von diesem wirklich tollen TG.
Die Schweiz, trotz Wasser von oben und von unten - ein tolles TNT!
Zurück an Land war das Wetter leider kein Deut besser, so dass das Abrödeln und Umziehen wieder im Regen stattfinden musste. Auch die Verabschiedung fiel daher etwas kürzer aus, aber nicht ohne gemeinsam einen Schluck Dekobier und Dekoschampus auf dieses wirkliche gelungene Treffen zu trinken. Speziell wurde dabei noch einmal Jessica & Jackie für die tolle Organisation gedankt - für das Wetter konnten sie ja nichts! Pascal war zwar nicht dabei, wurde aber auch bedacht, denn seine gute Luft half uns dabei, bei diesem Treffen tolle TG zu haben.
Wir resümieren noch einmal das Treffen
- Der Weltverband ist nicht nur ein schnell wachsender Verein
sondern hat alleine bei diesem Treffen mehr als 32 (!) neue Brevets
erschaffen unter anderem das:
- Kein-Schlick_Aufwirbel_Brevet
- Uzo-Hardcore-Brevet
- Imrudelabtauch_sternvonströmungstauchen_
undimrudelwiederauftauch_Brevet
- Wer Toblerone und Bier zu einem TNT mitbringt macht sich damit keine
Feinde
- Egal wie gerne man im Wasser ist, an Land ist Wasser von oben generell störend!

Mehr Bilder vom TNT IX findet Ihr hier:
Beim offiziellen Bericht über das Treffen im Tauchernet
Auf der Downloadseite
des Tauchernet
Photos: © 2003 Andreas Nowotny, Boris Hirschberger & Uli Möslang