TNT VII - Ostsee
Freitag 02.05.
Die MS Førkrat

Obwohl die Wettervorhersage auch für diesen Tag nicht sehr gut war, ließen Wind und Wellengang das Tauchen an einem der ursprünglich angepeilten Wracks zu. Als wir uns morgens das reichliche und leckere Frühstück beim Smutje in der Kombüse holten, fuhr die Artur Becker schon die MS Førkrat an, ein knapp 180m langes und 13m breites Wrack eines Frachtschiffs, das wahrscheinlich im 2. Weltkrieg gesunken ist.
An der Førkrat angekommen tauchte Michael mit einer Gruppe bestehend aus Mitgliedern des Greifswalder Tauchvereins und der Mannschaft zum Wrack hinunter, um daneben eine Boje zu setzen. Währenddessen versammelte Kapitän Hanke uns Taucher auf dem Deck und führte das Briefing durch. Die Førkrat liegt in ca. 45m Tiefe aufrecht auf dem Kiel, die Obertiefe des Wracks beginnt bei 37m. Wenn man am Bojenseil abtaucht gelangt man zur Brücke und kann von da aus das Schiff mit seinen Laderäumen, und Aufbauten erkunden.

Durch seine Tiefe, dem relativ hohen Wellengang und der zu erwartenden Strömung ist dieser Tauchgang nicht zu unterschätzen. Nach dem Briefing kümmerten sich die Buddy-Teams um ihre Ausrüstung. Die Tekkies begannen ihre Füllungen zu mixen und die Tauchgänge zu berechnen, Lampen wurden überprüft, kurz die ganze Ausrüstung fertig gemacht. Während die ersten Teams am Anrödeln waren, kam unser Bojenteam zurück.

Dann war es soweit, zusammen mit den anderen Presslufttauchern machte sich auch unser Team, bestehend aus Jessica, Nowotaucher und Christoph R., auf den Weg. Am Bojenseil glitten wir schnell in die zunehmend dunkler werdende Tiefe ab. An der Brücke der Førkrat angekommen nahmen wir uns erst einmal etwas Zeit, um uns zu orientieren. Dann erkundeten wir das Schiff. Obwohl wir alle starke Lampen dabei hatten, war es doch auf über 40m noch so hell, dass man sich auch so gut orientieren konnte. Für uns Süßwassertümpler eine ungewohnte Erfahrung. Auch die Sicht war mit über 15m sehr gut. Das einzige Problem mit der Sicht war eine Sprungschicht auf ca. 41m. Wenn man die Schicht durchtauchte, wirkte es für mich, als hätte ich meine Kontaktlinsen verloren. Der wahre Schock kam aber erst danach: der Tauchcomputer zeigte eine Wassertemperatur von nur 2,7° C! Tief und kalt (aber relativ hell & ohne Strömung) ideale Bedingungen für Tiefenrausch. Aus diesem Grund bewegten wir uns nur sehr vorsichtig über das Wrack und sahen davon ab, in die Laderäume einzudringen. Wir hielten uns an unseren Plan und begannen nach fast 20 Minuten mit unserem Aufstieg - immerhin hatten wir jetzt einiges an Deko angesammelt. Besonders in den letzten Minuten der Deko wurde uns auch richtig kalt und meine erste Reaktion nach Ablegen des Geräts war, noch im Trocki in die Kombüse zu eilen und mir eine Tasse heißen Tee zu holen.
2. Tauchgang mit kleinen Hindernissen

Das anschließende Mittagessen schmeckte nicht nur wieder ausgezeichnet, sondern wärmte uns auch soweit wieder auf, dass wir nach entsprechender Oberflächenpause einen zweiten Abstieg in die Kälte wagen wollten. Unser inzwischen eingespielte Buddyteam wurde allerdings beim Abstieg getrennt. Durch Fasern, die sich beim Verschließen über den O-Ring des Trockenhandschuhs gelegt hatten, sog sich dieser mit Wasser voll und Christoph musste den TG abbrechen. Jessica und ich übergaben ihn auf 6m einer Gruppe, die gerade die letzten Minuten ihrer Deko absaßen. Dann ging es weiter abwärts. Unten angekommen stellten wir fest, dass im Gegensatz zum ersten TG die Strömung ziemlich zugenommen hatte und auch die Sprungschicht jetzt einige Meter höher lag. Auch wir bewegten uns etwas höher als beim ersten TG, um nicht die Dekoverpflichtung zu hoch anwachsen zu lassen. Dies gab uns einen besseren Überblick über das Wrack, statt nur die Detailansichten wie beim ersten TG. Schweren Herzens trennten wir uns von der Førkrat und begannen den langen Aufstieg zur Artur Becker.
Als alle Taucher wieder an Bord waren fuhr die MS Artur Becker wieder die Arkona Bucht an, um dort für die Nacht zu ankern. Nach dem Abendessen trafen sich die meisten wieder in der Bar. Von den Mitgliedern des Greifswalder Tauchverseins gut mit Dekobier versorgt kam schnell wieder Stimmung auf. Gegen Mitternacht sanken wir in unsere Kojen - erschöpft von den tollen, aber anstrengenden Tauchgängen.