TNT VII - Ostsee
Sonntag 04.05.

Aufgeweckt von einem leichten Schaukeln des Schiffs war meine Hoffnung, dass die Artur Becker zur Jan Heweliusz unterwegs war, dem Wrack, das als krönender Abschluss der Wracktour geplant wurde. Mit meiner Zahnbürste bewaffnet ging ich an Deck, wo ich staunend inne hielt: Blauer Himmel, fast spiegelglattes Meer und kein Wind.
Als alle mit dem Frühstück fertig waren, hatte die Artur Becker auch die Boje der Jan Heweliusz erreicht. Wir versammelten uns an Deck, wo Micha das Briefing abhielt. Die Jan Heweliusz, eine polnische Fähre, sank am 14.Januar 1993 während eines Sturms. 55 Tote waren bei dem Untergang zu beklagen (mehr Informationen findet Ihr in der 6. Redaktionsausgabe des Taucher.net. Heute liegt das Wrack auf der Backbordseite in einer Tiefe von 24 - 12 Metern. Von Deck aus waren die Umrisse schon zu sehen. Durch Bergungsarbeiten an dem Schiff ist ein Teil des Laderaums von oben her zugänglich, ohne das Wrack selber penetrieren zu müssen.
Erster Tauchgang an der Jan Heweliusz

Nach dem Briefing machten wir uns fertig und tauchten an der Leine zum Heck ab. Die Sicht war fantastisch und das Wrack allein schon durch seine Größe sehr beeindruckend. Durch die geringe Tiefe hatten wir genügend Zeit, uns das Wrack auf ganzer Länge in Ruhe anzusehen. An der Steuerbordaußenwand entlang gelangten wir zum offenen Ladebereich, wo man die untergegangenen LKW genau erkennen konnte, obwohl, wie überall in der Ostsee, die Muscheln von diesem Fremdkörper Besitz ergriffen hatten. Die in einander verkeilten LKW verschafften uns einen guten Eindruck über die Kräfte die beim Untergang am Werk waren.

Vom Laderaum aus ging es zum Bug, wo wir gerade noch Zeuge eines großen Dorschschwarms wurden. Nachdem wir auch noch die Bugschrauben eingehend betrachtet hatten, machten wir uns langsam auf den Rückweg. An Bord angekommen, beim obligatorischen Deko-Tee, besprachen wir das weitere Vorgehen. Natürlich wollten wir noch einen zweiten Tauchgang an diesem tollen Wrack machen, aber vor uns lagen noch 5 Stunden Fahrt zurück nach Greifswald und Gruppe, die als letzte angekommen war, wollte spätestens um 18.00 Uhr zurück sein.
Zweiter Tauchgang - durch den Laderaum der Jan Heweliusz

Wir beschlossen daher, das Mittagessen zu verschieben, unsere Flaschen zu füllen und dann den 2. Tauchgang praktisch direkt im Anschluss zu machen. Unser Buddyteam beschloss zum Abschluss einen besonderen Tauchgang zu machen: Geführt von Micha, der die Jan Heweliusz bestens kennt, wollten wir durch den Laderaum tauchen.
Nachdem wir den Tauchgang entsprechend geplant hatten, legten wir los. Wir stiegen wieder zum Heck der Jan Heweliusz ab, tauchten zur Laderaumöffnung und dann ins Innere. Vor uns lag die Dunkelheit des Laderaums, erhellt nur von unseren Lampen und dem Licht, das von oben durch Luken in der Steuerbordwand eindrang. Die Sicht war ausgezeichnet, klar lagen die LKW vor uns, an der Seite, dem ehemaligen Boden, waren Schienen, am Ende ein Prellbock. Türöffnungen ließen den Blick auf Treppengänge und andere Räume zu. Ein ganz besonderer Tauchgang! Nur der Weg raus aus dem Wrack ist nichts für Leute mit Platzangst. Über eine Treppe runter, durch eine Luke und dann gleich nach rechts ins Freie. Hier zeigte sich, wie essentiell es für solche Tauchgänge ist, dass die Ausrüstung eng am Körper liegt und keine Schläuche abstehen, die sich verhaken könnten.

Gemächlich tauchten wir am Wrack entlang bis zur Leine und begannen dann unseren Aufstieg. Wieder an Bord verstauten wir unsere Ausrüstung und stürzten uns dann auf das Essen, das Smutje Udo (ohne dessen Zaubereien in der Küche die Fahrt kein solcher Erfolg gewesen wäre) netterweise für uns warm gehalten hatte. Während des Essens legte die Artur Becker ab und fuhr gen Greifswald. Wir waren gerade beim Nachtisch, als sich Kapitän Hanke meldete: "Werte Gäste, durch einen glücklichen Zufall kreuzen wir gerade den Kurs des baugleichen Schwesternschiffes der Jan Heweliusz. Wenn Sie also sehen wollen, wie das Wrack, das Sie gerade betaucht haben vor dem Untergang aussah, kommen Sie jetzt an Deck! Ich bemühe mich näher hinzufahren, damit Sie bessere Photos machen können." Natürlich versammelten wir uns alle an Deck und sahen der großen Fähre nach. Schon ein komisches Gefühl, dass wir vor nur knapp einer Stunde den identischen Schiffstyp betaucht hatten.

Rückfahrt nach Greifswald
Die Fahrt zurück verlief ereignislos - die Ostsee zeigte sich von ihrer schönsten Seite. Wie schön wäre es gewesen, wenn die ganzen Tage solch ein Wetter gewesen wäre. Aber wir wollen nicht mosern - wir waren an zwei wirklich tollen Wracks und auch der Tauchgang an der Saja war interessant gewesen. Die Crew, besonders natürlich Smutje Udo, hat einen tollen Job gemacht was zusammen mit der super Betreuung durch die Mitglieder des Tauchclubs Greifswald dafür sorgte, dass wir uns die ganze Zeit an Bord wirklich wohl gefühlt haben. Deshalb möchte ich ihnen an dieser Stelle noch einmal besonders danken, für das Wetter konnten sie nun wirklich nichts. Es war auf jeden Fall ein ungewöhnliches TNT, toll organisiert von Jan, der für Idee und Durchführung auch noch mal ein besonderes Lob verdient.

In Greifswald angekommen, wurden noch schnell die obligatorischen Abschiedsbilder gemacht, dann zerstreuten sich Mannschaft und Teilnehmer (bis auf einige, die noch eine Nacht an Bord blieben) in alle Himmelsrichtungen.
Was bleibt nach diesem Treffen (abgesehen von schönen Erinnerungen):
- Neue Impulse zur Tauchgangsplanung (für Sporttaucher) durch Anke und Brian
- Anspruchsvolle Tauchgänge erfordern gute Vorbereitung bei:
- Briefing
- Gasplanung
- Dekoplanung
- Equipmentplanung
- Tekkies haben schwer zu schleppen :-)
- Bei Taucher.nettreffen können Tekkies & Sporttaucher gemeinsam tauchen, Dekobier trinken und Erfahrungen austauschen!
Postscript
Leider wieherte im Jahr 2009/2010 der Amtsschimmel ganz gewaltig, mit dem Effekt, dass die Artur Becker ihren Dienst einstellen muss, weil sie unter den neuen Auflagen nicht mehr kostendeckend fahren kann. Dies ist eine überaus traurige Entwicklung, denn eine Fahrt auf der Artur Becker ist auf jeden Fall ein ganz besonderes Erlebnis gewesen. Mehr über die Umstände die zum Ender der Artur Becker führten kann man hier erfahren: www.artur-becker.de
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2003 A. Nowotny
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Jessica Brühl, Anke Otto und Michael Töpfer