Druckkammerfahrt

Die Fahrt

Konzentriert beim Druckausgleich
Und immer schön Druckausgleich machen!

Wir saßen entspannt in der Kammer, die Türen wurden verschlossen und schon sprach eine Stimme zu uns, erklärte uns noch einmal, dass wir ständig videoüberwacht seien und im Sprechkontakt mit der Bedienung stünden und uns bei Zeichen von Unwohlsein, Problemen mit dem Druckausgleich und anderem sofort melden sollen. Dann begann es zu zischen und der Druck stieg sehr langsam (5m/min) an. Ich gehöre zu den Tauchern, die gerne sehr schnell abtauchen und hatte noch nie Probleme beim schnellen Abstieg mit dem Druckausgleich, aber aus irgend einem Grund ging es viel schwerer als im Wasser. Auch die anderen mussten permanent den Druck ausgleichen, zum Teil durch richtig starkes Schnaufen. Ich benutzte den Trick mir die Nase fast ganz zuzuhalten und etwas stärker als sonst auszuatmen. Das funktionierte ganz gut.

Unter Druck müssen verschiedene Aufgaben gelöst werden
Also, was ist 1745 geteilt durch 17?

Im Gegensatz zum Wasser, wo es mit zunehmender Tiefe ja durchaus kälter werden kann, wurden die Temperaturen in der Kammer langsam ungemütlich warm. Es begann sich die dichtere Luft auch auf die Stimmbänder auszuwirken und statt wohllauter Stimmen kam aus unseren Mündern nur noch Mickey Mouse Gequietsche. Ab ca. 30m wurden auch durchaus, wie in der Gruppe vorher, Sachen witzig gefunden, die eigentlich nicht so lustig waren. Dennoch hatte keiner von uns das Gefühl unter Einfluss der Stickstoffnarkose zu stehen.

Auf 50m angekommen ging es dann ans eingemachte. Wir wurden aufgefordert, verschiedene Übungen zu machen. Es fing mit etwas relativ einfachem an, dem lauten Vorlesen aus einem Kinderbuch. Das sich alle den Bauch vor lauter Lachen hielten lag wahrscheinlich sehr an dem Effekt den die Dichte der Luft auf unsere Stimmen hatte, dass die Leser kaum einen Satz fehlerfrei vortragen konnten war allerdings bedenklich.

Druck macht lustig
Fröhlich im Tiefenrausch

In der zweiten Übung ging es um manuelle Geschicklichkeit. Wir sollten unserem Partner eine Krawatte umbinden. Gesagt, getan - kein Problem. Da meine Partnerin noch nie einen Krawattenknoten gebunden hatte, band ich meinen eigenen auch noch und war als erster fertig. Vielleicht war es mit dem Tiefenrausch ja doch nicht so schlimm!

Die letzte Übung konnte meine Zweifel allerdings weder bestätigen, noch ausräumen. Wir wurden aufgefordert, 1756 durch 17 zu teilen, eine Aufgabe, an der ich auch unter normalem Druck scheitern würde! Ich muss allerdings gestehen, dass ich sehr lange brauchte, bis ich mir überhaupt den Rechenweg wieder ins Gedächtnis rufen konnte.

Dann waren unsere 10 Minuten auf 50m auch schon wieder um und wir wurden sehr langsam (genau nach VdST-Tabelle) dekomprimiert. Die Heiterkeit ließ mit sinkender Temperatur auch bei uns nach - es wurde sogar richtig kalt in der Kammer und es bildete sich Kondensationnebel. Nach gefühlt sehr langer Zeit war die Fahrt vorbei und wir stiegen aus. Mein Compi, der Suunto Vyper, der als einziger Computer immer genau mit dem Tiefenmesser der Kammer übereingestimmt hatte, war allerdings tief beleidigt - seiner Meinung nach hätte ich noch 17 Minuten Deko gehabt!



              
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Außer wenn gesondert angegeben: Texte und Photos & Illustrationen © 1999 - 2012 Andreas Nowotny

Letzte Änderung 24-Jun-10 08:34