Das Ehrenamtlichenprogramm

Während der Bauzeit des Aquariums wurde überlegt, wie das Ehrenamtlichenprogramm aufgesetzt werden sollte. Während dies in den meisten anderen Aquarien intern geschieht, beschloss man, die Organisation der Helfer an die Cincinnati Tauchfirma Scuba Unlimited zu outsourcen. Man konnte dadurch auf das Know-how einer etablierten Firma zugreifen, die das benötigte Equipment warten kann und Erfahrungen in der UW-Wartung mitbringt. Zusätzlich ins Boot geholt wurde die Firma Mares, die die Organisation mit Equipment unterstützt und deren Vertreter vor Ort auch ein "Wet Volunteer" ist.

Wie wird man ein nasser Helfer?

Schidkröte im Haifischtank

Jennifer Rehberger gibt auf diese Frage lachend die Antwort: "Mit viel Glück, denn im Moment gibt es eine Liste mit ca. 100 Anwärtern!" Die Attraktivität der taucherischen Tätigkeit in einem solchen Aquarium zeigte sich bereits am Anfang des Projekts, als sich über 500 Bewerber meldeten. Ein weiterer Indikator dafür ist, dass die Fluktuation sehr gering ist. Von den 35 Helfern die seit Anfang an bis heute dabei sind, sind 29 "Wet Volunteers", etwas mehr als ein Viertel der derzeit beschäftigten Taucher. "Das Schöne ist auch, dass unsere Taucher keine homogene Gruppe bilden, sondern aus Menschen fast jeden Alters und aus verschiedenen Lebens- bereichen besteht.", antwortet Jen auf die Frage nach dem "typischen" Helfer. "In unserer Organisation finden sich Hausfrauen und Mütter, Manager, Lehrer, Air Traffic Controller und anderes Personal des nahe gelegenen Flughafens, Studenten und Rentner, alle im Alter zwischen 18 und 75 Jahren. Momentan gibt es mehr männliche als weibliche Mitglieder, aber das ändert sich langsam."

Die formalen Voraussetzungen für eine erste Bewerbung sind nicht besonders hoch, man muss über 18 Jahre alt sein, braucht Advanced Open Water und die Bescheinigung über einen HLW und einen Erste Hilfe Kurs.
Anschließend folgt eine schriftliche Prüfung zur Tauchtheorie, die auch Fragen zur UW Flora und Fauna mit einschließt. Dann kommt ein praktischer Teil, der hauptsächlich eine Tarierungsprüfung ist. Wer so weit gekommen ist, wird noch einmal interviewt, um zu sehen, ob der Kandidat auch in das bestehende Team passt.

Die Ausbildung

Hat man es geschafft, in den Kreis der "Wet Volunteers" aufgenommen zu werden, wird man jedoch nicht sofort ins Haifischbecken gelassen, sondern muss erst eine speziell auf dieses Aquarium abgestimmte Ausbildung durchlaufen. Das dafür notwendige Trainingsprogramm wurde intern entwickelt und im Laufe eines Jahres stetig verfeinert. In der Anfangsphase, ehe die ersten Freiwilligen ausgewählt wurden, fuhren die Ausbildungsleiter auch zu anderen Aquarien, um zu sehen, wie dort entsprechende Programme gehandhabt werden und um sich Anregungen zu holen. Über die Jahre hat sich diese Ausbildung als sehr effizient herausgestellt und alle Anforderungen erfüllt, die daran gestellt wurden, so dass die Verantwortlichen mehr als zufrieden sind.

Taucher bei der Fütterung

Das Programm besteht aus einem Theorieteil mit selbst erstelltem Handbuch und Video, einer Beobachtungsphase und praktischen Tauchübungen. Wie man sich vorstellen kann, sind in einer so fragilen Umgebung wie diesen großen Becken die praktischen Tauchfähigkeiten, insbesondere exzellente Tarierung, unerlässlich. Daher verwundert es nicht, dass exakte Tarierung sowohl bei der Erstauswahl, in Form eines zu durchtauchenden Hindernisparcours, als auch bei der Ausbildung eine große Rolle spielt. Ein anderer Bereich des Trainings ist der Umgang mit den Lebewesen im Aquarium, nicht nur den schwimmenden Exponaten, sondern auch mit den zahlenden Gästen. Die Wet Volunteers müssen auch außerhalb des Wassers den Besuchern Auskunft über die Bewohner des Aquariums geben können und sollen auch - im Gegensatz zu vielen anderen Aquarien - mit den Besuchern in Interaktion treten, wenn sie sich in den Becken aufhalten.

 

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Außer wenn gesondert angegeben: Texte und Photos & Illustrationen © 1999 - 2013 Andreas Nowotny

Letzte Änderung 24-Jul-10 20:07