Tauchsafari Ägypten 2007
Tauchspots vor Hurghada
Erster Tag an Bord bedeutet Eingewöhnung an Bord und Meer mit Checktauchgang.
Nach einer sehr ruhigen Nacht und einem ersten ägyptischen Frühstück beobachteten wir die Crew wie sie die letzten Vorräte mit dem Zodiak an Bord brachte. Dann ging es los - auf zu meinem ersten Tauchgang im Roten Meer.
Abu Ramada

Wir waren nicht die Einzigen, die einen Tauchspot vor Hurghada anliefen. Eine wahre Armada an Tagesbooten lief auch gerade aus und nahm Kurs auf die nahgelegenen Riffs. Erstaunlich, wie sich die Masse an Schiffen doch verteilte, aber richtig einsam konnte man natürlich keines der Tauchgebiete nennen.
Die kurze Zeit der Überfahrt nutzte unser Guide Mahmed zum Briefing, dann ging es auch schon los, die Ausrüstung anzurödeln. Endlich - ein großer Schritt ins Wasser. Dem Buddy das OK-Zeichen geben und abtauchen. Oder auch nicht, weil die berechnete Bleimenge bei weitem nicht ausreicht. Also Blei nachlegen. Und dann gleich noch einmal. Die zwei jetzt mit Blei bestückten Jackettaschen verhalfen mir dann endlich zum ersten Abtauchen im Roten Meer. Klares Wasser, und beim Abtauchen gleich die ersten bunten Fische. Für einen Rotmeerexperten noch kein Grund zu jubeln, aber für einen hartgesottenen Nullsicht-Süßwassertaucher eine gelungene Einstimmung auf die weiteren Tauchgänge.

Leider sieht man relativ schnell, dass dieses Riff von dem Tauchtourismus in Mittleidenschaft gezogen wird. Korallen die schon besserer Tage gesehen hatten und immer wieder kahle Stellen, fast wie eine Mondlandschaft. Eine moralische Zwickmühle, denn auf der einen Seite ist man ja selbst Tourist, ist man ja extra nach Ägypten gefogen, um genau diese Riffe zu sehen. Gleichzeitig ist man selber Teil des Problems für die Riffe, die sich wahrscheinlich eine völlige Abwesenheit dieser lauten Luftblasen blubbernden Neoprenfische wünschen würden. Zumindest kann man sich dieses Problems bewusst sein und entsprechend umsichtig tauchen. Wenn jeder Taucher auf seine Tarierung achten, nicht zu nah ans Riff tauchen und seine Flossen von den Korallen fern halten würde, wäre dem Riff schon sehr geholfen.

Dennoch, gerade als Anfangstauchgang war dieser Spot nicht schlecht gewählt. Viele Schwärme von Großschulen Meerbarben, Bannerfische die vorwitzig an einer Qualle knabberten, selbst ein Miniwrack mit eigener Muräne, es gab genug zu gucken und ein guter Platz, um sein Equipment einzutauchen. Wer große, bunte Korallen suchte, war hier falsch am Platz, aber dafür wurde man belohnt, wenn man etwas genauer hinsah und so eine Anemone mit hauseigener Garnele entdeckte. Als wir nach gut einer Stunde wieder an Bord gingen konnten wir das als durchaus gelungenen Einstieg in die Woche verbuchen.
Zurück an Bord gab es das erste Mittagessen. Auch beim Thema Bordverpflegung hatte ich natürlich keine Vergleichsmöglichkeit, aber was der Koch in der Küche zauberte war wirklich schmackhaft. Während der Mittagspause nahm die Seaflower Kurs auf das nächste Riff, Small Giftun.
Small Giftun
Die Begeisterung über diesen Tauchplatz hielt sich in Grenzen. Viele Mitreisenden kannten das Riff und waren wenig begeistert, denn es sei in einem noch schlechteren zustand als das erste. Nach dem Briefing durch den Guide setzten sich Linus, Michi, Guido und ich noch einmal zusammen, denn Linus meinte, es gäbe einen ganz netten Spot dort. Er wusste zwar nicht, ob wir genau dort ankern würden, aber es würde sich lohnen, diesen Spot suchen.

Da das Tauchdeck nicht groß genug war, um allen gleichzeitig ein bequemes Anrödeln zu ermöglichen, warteten wir, bis die anderen im Wasser waren, dann ging es auch für uns los. Wir hatten Glück. Nach wenigen Metern unterwasser flosselte Linuss zielstrebig in eine Richtung. Einige Minuten später waren wir am Ziel. Ein Halbtrichter der sich nach unten verjüngend in die Tiefe schlängelte und mit Fächerkorallen übersäht war. Es war ein tolles Erlebnis, sich an diesen Riesen vorbei in die Tiefe zu begeben. Nach einer Weile gaben Linus und Guido das Zeichen, dass sie umkehren würden, Michi und ich tauchten noch ein Stück weiter zur vereinbarten Maximaltiefe. Dort war der Halbtrichter inzwischen ziemlich eng, aber da er auf einer Seite offen war, gab es genügend Platz, um die Richtung mit großem Anstand zu den Korallen zu wechseln.
Als ich nach oben blickte, blieb mir fast der Atem stocken. Der Blick hinauf in den sich weitenden Trichter, mit den Gorgonien im Gegenlicht, war atemberaubend. Sofort bereute ich es, meine Kamera an Bord gelassen zu haben. Der Tauchgang hinauf zum Licht, vorbei an den unzähligen Gorgonien, fühlte sich unwirklich an, fast wie eine Filmkulisse. Es war fast schade, oben anzukommen, zu schön war diese Taucherfahrung.
Zurück an Bord besprachen wir vier diesen begeisternden Tauchgang, etwas zum Missfallen unserer Mitreisenden, denn das restliche Riff schien den schlechten Erwartungen entsprochen zu haben. Was zu diesem Zeitpunkt keiner wusste, war dass wir noch häufiger diese Woche sehr unterschiedliche Tauchgänge am gleichen Spot machen würden, aber es nie wieder vorkam, dass eine der Gruppen einen schlechten Tauchgang hatten.

Nach dem Abendessen wurden die Fischbestimmungsführer und Laptops gezückt um uns, wie an den folgenden Tagen auch, die gemeinsam die Photoausbeute anzusehen. Währenddessen nahm die Seaflower in inzwischen dunkler Nacht die Fahrt zu den Brothers auf. Sobald wir aus dem Schutz der Riffe vor Hurghada herauskamen, nahm der Wellengang deutlich zu und die Seaflower schaukelte und rollte sich langsam dem Ziel entgegen. Der Schlaf fiel etwas unruhig aus, denn die Seaflower schwankte so stark, dass ich in meiner Koje zweimal mit voller Wucht gegen die Bordwand geschleuder wurde und aufwachte. Dabei merkte ich auch, dass mein Bullauge nicht hundertprozentig dicht war und bei jeder Welle stetig etwas Wasser auf die Fensterbank lief. Zum Glück war es nicht dramatisch, aber durch die Wellenbewegung tröpfelte auch etwas Wasser in mein Bett.

