Tauchen bei Big Brother

Ankunft bei den Brüdern

Das Wahrzeichen von Big Brother
Blick aus dem Bullauge auf Big Brother

Die unruhige Nacht war sofort vergessen, als ich einen Blick durch das Bullauge auf den Leuchtturm von Big Brother warf. Endlich waren wir an unserem Ziel angekommen, an dem wir eine ganze Weile bleiben wollten. Im Gegensatz zu den meisten Safaris, die die Brothers in zwei, maximal drei Tagen abhandeln, hatten wir beschlossen, die ganze Woche hier zu bleiben.Wir nahmen auch gerne in Kauf, dass das Boot an dieser Stelle deutlich mehr von den Wellen durchgeschüttelt wurde, als an geschützteren Tauchplätzen.

An Deck merkt ich, dass unsere Truppe unterschiedlich seefest war. Während die Schaukelei einigen nichts ausmachte, griffen andere beim Frühstück nicht ganz so beherzt zu wie am Vortag oder beschlossen erst einmal nur Tee zu trinken. Ein Paar tauchte gar nicht auf. "Einen Tag wirklich seekrank zu sein ist der Preis den wir letztlich gerne dafür zahlen, solch tolle Safaris zu machen," berichteten sie am Abend. "Es ist jedes Mal so: Ein Tag liegen wir flach und dann haben wir den Rest der Zeit keine Probleme." So war es dann auch und eigentlich ist das doch eine prima Entschuldigung um nur noch zweiwöchige Touren zu buchen, da hier das Verhältnis der Tauchtage zum Kranktag deutlich besser ist :-)

Garten Eden des Roten Meers - die Brother Islands

Ein Safarischiff vor Big Brother
Ein Safarischiff vor Big Brother

Der Grund für das starke Schaukeln (mal abgesehen von der Bauform des Schiffs) ist die Lage der Brother Islands. Sie liegen fernab der Küste zwischen Ägypten und Saudi Arabien, um die 60 Kilometer östlich von El Quseir. Wie zwei Nadeln ragen die Inseln aus der Tiefe des Roten Meeres mitten im Blau. Ein echtes Außenriff, denn weit und breit ist nichts anderes, was Strömungen ablenken und Wellen brechen könnte.

Genau deswegen gibt es hier auch alles, was des Tauchers Herz begehrt und das Rote Meer zu bieten hat: Farbenprächtige Hart- und Weichkorallen aller Art, unglaubliche Fischschwärme und alle anderen Riffbewohner in großer Anzahl, ja sogar Schildkröten, Haie und mit etwas Glück Mantas können hier gefunden werden - ein wahrer Garten Eden im Roten Meer. Wem das immer noch nicht reicht, dem stehen auch noch zwei Wracks zur Verfügung, die Numedia und die Aida. All das hat natürlich auch seinen Preis unter, wie über Wasser.

Schaukeln beim Ein- und Ausstieg
Schaukeln beim Ein- und Ausstieg(1)

Die Sicht ist nicht immer so, wie man es im Roten Meer vielleicht erwartet, was an dem vielen Plankton liegt, der um die Inseln herum gespült wird und natürlich das Leben dort mit ermöglicht. Die Strömung ist auch nicht ohne, wer damit nicht umgehen kann, sollte hier nicht tauchen. Schließlich der Wellengang der hier teilweise auch sehr hoch ist, was Taucher beim Umsteigen von Boot zu Zodiac, beim Aussteigen aus dem Zodiac, beim Warten an der Oberfläche auf das Zodiac, dem Einsteigen und dem Übergang auf das Boot durchaus fordert. Und wenn man auf so einer Nussschale wie der Seaflower ist, wird man an Bord auch gut durchgeschüttelt.

Den Namen habe die Inseln, die von den Ägyptern "El Akahwein" genannt werden, von der Firma, die die elektrische Ausrüstung für den Leutturm installierte, der Brothers Electrical Company. Nach der Eröffnung des Suez Kanals 1869 stieg das Schiffahrtsaufkommen im Roten Meer stark und es wurden zur Sicherheit der Schiffe diverse Signalstationen eingerichtet, von denen eine der Leutturm von Big Brother ist.

Big Brother

Die größere der beiden Inseln ist nicht wirklich groß und liegt mit 400 Metern Länge und nur 40 Metern Breite wie ein sehr schmaler Tanker auf dem Weg zum Suez-Kanal auf dem Wasser. Die Insel erhebt sich geschätzte 10 - 15 Meter aus dem Wasser und wird optisch vom viktorianischen Leutturm beherrscht. Aber sonst gibt es da auch nichts - ein Steinblock mitten im Meer.

Fotogene Schidlkröte
Fotogene Schildkröte(2)

Die wahren Werte finden sich unterwasser, denn der Bereich überwasser sitzt in 15 - 20 Meter Tiefe auf einem deutlich größerem Sockel und hier blüht das Leben. Jeder noch so kleine Fleck scheint von Korallen bewachsen zu sein, Hart- und überwiegend Weichkorallen, dazwischen Tausende von Fischen, die teils enorme Ausmaße haben, wie einige der Napoleonfische. Wer genau schaut kann aber auch die kleineren Bewohner, wie Garnelen, finden und mit etwas Glück kreuzt sogar die eine oder andere Schildkröte des Tauchers Weg. Unterhalb dieses Sockels gibt es, neben dem Südplateau, noch einen kleinen Vorsprung in einer Tiefe zwischen 40 und 100 Metern, dann fällt das Riff in einen Abgrund von knapp 1000 Metern - kein Tauchplatz für schwache Nerven!

Tauchen am Riff

Schwärme von Juwelen Fahnenbarschen
Juwelen-Fahnenbarsch Schwärme

Ein Tauchgang an Big Brother verlief meistens nach Schema F: Akrobatisches Einsteigen von einer der Gruppen ins Zodiac, ruppige Überfahrt irgendwo in den Norden, gleichzeitiges abrollen rückwärts ins Wasser. Letzteres meist mit leerem Jacket, denn schnelles Abtauchen ist hier wichtig. Im weiß brodelnden Wasser heißt es dann erst einmal sich zu orientieren und den Buddy suchen, der meist über oder unter einem ist, aber selten daneben. Und dann staunen!

Das Leben hier tobt, wie man es sich kaum vorstellen kann, wenn man es nicht gesehen hat. Selbst wenn es nicht die vielen Fische, allein oder in großen Schwärmen wie die roten Wolken der Juwelen Fahnenbarsche, gäbe, käme man allein durch die Korallen schon auf seine Kosten. Ob der Blick eher kleine Polypen sucht, die sich in der Strömung hin und her bewegen oder von den großen Gorgonien gefangen wird - die Farben- und Formpracht hier ist überwältigend. Und doch wird man immer wieder abgelenkt, durch vorwitzige Papageienfische, schüchternen Korallenwächtern, kessen Flötenfischen und massigen Napoleons.

Vorbildliches Bojesetzen in Perfektion
Guido beim Bojensetzen

Bei all dem, was das Riff zu bieten hat, kostet es fast Überwindung, seinen Blick fortzureißen und mit der Insel im Rücken ins tiefe Blau zu schauen. Doch auch hier wird man häufig belohnt. Barrakudas und kleinere Makrelenschwärme ziehen in einiger Entfernung vor bei und mit etwas Glück auch der eine oder andere Thunfisch. Mantas und Hammerhaie sind eher seltenere Gäste hier, aber der größte Teil unserer Gruppe hatte Glück und ein Manta tanzte eine Weile im Gegenlicht über ihren Köpfen.

Viel zu kurz ist die Zeit, die man hat, dann heißt es auch schon auftauchen. Meistens bedeutet das auf 6-3 Metern die Boje zu setzen und dann gemütlich daran die Sicherheitsstopps zu absolvieren. Mit etwas Glück muss man nur kurz warten, weil die Bojen schon gesichtet wurden und das Zodiac unterwegs ist.

Haie bei Big Brother

Die Vertreter der Großfischfraktion kamen bei Big Brother nicht so ganz auf ihre Kosten. Es gibt anscheinend nicht mehr so viele Haie wie früher, aber man sichtet sie durchaus immer wieder. Wir hatten insgesamt eher weniger Glück, bis auf einen Manta und eine ganz besondere Begegnung mit einem Fuchshai. Wir tauchten gerade vom Plateau wieder höher, als weiter oben aus dem Nichts ein Fuchshai auftauchte und seine Kreise zog. Wir tauchten langsam und vorsichtig näher und waren vielleicht noch 10 Meter unter ihm, als er zweimal mit der Schwanzflosse schlug und wieder ins Nichts verschwand.

Photos
© A.Nowotny bis auf (1) © S.Opitz und (2) © M.Böhm


              
Mail an Andreas || Seite weiterempfehlen || Drucken




Photogalerien

Landgang auf Big Brother

Auch über Wasser gabe es einiges zu fotografieren, auch wenn die Brothers landschaftlich nicht so wahnsinnig viel her machen.
... mehr

Tauchen bei Big Brother

Tauchen an den Tauchplätzen von Big Brother ist wirklich unglaublich. Das Unterwasserleben tobt, man weiß kaum wo man hinsehen soll!
... mehr

Außer wenn gesondert angegeben: Texte und Photos & Illustrationen © 1999 - 2012 Andreas Nowotny

Letzte Änderung 03-Nov-10 23:24