Tauchgänge in Festlandnähe
Safaga & Hurghada
Nach dem letzten Tauchgang bei Little Brother hieß es Abschied nehmen von den Brothers. Für uns hieß das als erstes die Luken zu schließen und alles in den Kajüten wellensicher zu verstauen.

Die Crew sicherte die Tauchausrüstung und verzurrte die Zodiaks. Wir selber suchten uns ein Plätzchen am Sonnendeck, wo wir die achtstündige Überfahrt nach Safaga gut überstehen konnten.
Kaum aus dem Strömungsschatten von Little Brother gekommen, sorgte der Wellengang sofort dafür, dass einige unvorsichtigerweise noch herumlaufende Gäste und Besatzungsmitglieder eine saubere Bauchlandung auf Deck hinlegten. Der kleine Crew-Azubi, dessen erste Fahrt dies war, saß extrem blass auf dem Tauchdeck. Er sah aus, als ob er befürchtete, dass das Schiff bald kentern würde. Sein älterer Bruder, der auch zur Crew gehörte, musste ihn beruhigen und versichern, dass dies ganz normal und kein Grund zur Sorge sei.
Wie gut wir uns alle an das Leben an Bord gewöhnt hatten, zeigte sich daran, dass selbst bei den anfangs am schlimmsten von Seekrankheit heimgesuchten Mitreisenden nur ein geringes Gefühl des Unwohlseins aufkam.
Um Halhala

Nach der schaukeligen, aber ansonsten ereignislosen Überfahrt kamen wir in der Abenddämmerung am Riff Um Halhala in der Nähe von Safaga an. Hier konnten wir dann auch mal einen Nachttauchgang machen, der an den Brothers nicht erlaubt ist. Nicht alle wollten noch einmal ins Wasser und die, die an Bord blieben, verpassten auch nicht wirklich viel. Der Tauchspot bestand aus großen Sandflächen mit weiter auseinanderliegenden größeren Korallenblöcken. Sprang einen an den Brothers die Unterwasserflora und -fauna förmlich an, musste man hier suchen, um fündig zu werden. So war optisch auch das Interessanteste, die anderen Taucher zu beobachten, die sich mit ihren Lampen wie Suchhubschrauber über dem Grund bewegten.

Während wir im Wasser waren, bereitete die Crew unsere Abschiedsparty vor. Zurück an Bord fanden wir den Salon mit Girlanden geschmückt vor. Krönung des Abendbuffets war eine große Torte, die unser Smutje gebacken hatte. Zusammen mit der Crew feierten wir eine wirklich tolle Woche. Auch unser Kapitän ließ es sich nicht nehmen, mit uns zu feiern und wagte sogar ein Tänzchen mit Jackie. Bei dieser Feier zeigte sich wieder einmal, warum diese Woche so ein toller Erfolg war, auch außerhalb des Wassers: Wir verstanden und untereinander alle prächtig und hatten eine wirklich tolle Crew, die sich rührend um uns kümmerte.
Kein Wunder, dass wir an diesem Abend mal länger aufblieben. Unsere normale Bettzeit von 22.00 Uhr wurde um weit über zwei Stunden nach hinten verschoben. Der Alkohol floss - naja, wie auch an allen anderen Abenden - tröpfchenweise. Eine Tatsache die sowohl Mahmoud, als auch der Kapitän wohlwollend vermerkt hatten. Aber war ja auch klar - am nächsten Tag war noch ein letztes mal Tauchen angesagt
Panorama Reef

Das Panorama Reef gilt als eines der Top-Spots rund um Safaga. Eine Tatsache die auch den dort ansässigen Basen wohl bekannt ist. Schon bei unserer Ankunft zeugte die Anzahl der Tagesboote von der Beliebtheit des Riffs. Unterwasser verteilten sich die Taucher ganz gut, so dass man sich nicht permanent im Pulk bewegte. Dies wurde auch noch dadurch unterstützt, dass wir mit dem Zodiak ein gutes Stück entfernt vom Boot abgesetzt wurden und einen angenehmen Drift-Tauchgang hatten, wogegen die Tagesgäste direkt vom Boot gegen die Strömung tauchten.
Der Tauchplatz selber verdient seinen guten Ruf. Zwar tobt hier nicht das Leben, wie auf den Brothers, aber es tanzt! Wunderschöne Korallen und hunderte Fischschwärme - es gab viel zu entdecken. Und ich denke auch, dass man nach den Brothers eh zu verwöhnt ist. Deutlich besser war die Sicht. Viel weniger Plankton im Wasser verschaffte uns die beste Sicht im ganzen Urlaub. Ein besonderes Highlight waren die vielen Anemonen komplett mit Nemos, ein gut getarnter Steinfisch und ein kleiner Blaupunktrochen.

Ein definitives Lowlight waren die Tagesboote. Nicht weil wir das Riff für uns alleine haben wollten, sondern wegen der absolut rücksichtslosen Art mit der sie am Riff entlang bretterten. Ich befand mich kurz vor unserem Boot und dümpelte in 3m Tiefe ca. 10m vom Riff entfernt vor mich hin, als ich plötzlich ein lautes Motorengeräusch hörte. Ich schaute vom Riff weg und sah, wie ein Tagesboot mit hoher Geschwindigkeit auf mich zu kam. Fest davon überzeugt, dass es direkt aufs Riff knallt und mich dabei auch erwischt, lies ich mich so schnell es ging absacken, um aus der Gefahrenzone zu kommen. Im selben Moment legte das Boot den Rückwärtsgang ein und kam mit lautem Getöse kurz vor dem Riff zum Stillstand. Dabei hätte der Spalt zwischen Boot und Riff nicht einmal die beste Kreditkarte akzeptiert.

Unser Boot lag direkt daneben und ich tauchte es sicherheitshalber direkt von unten an. Als ich an Bord kam, sah ich wie unser Kapitän an der Reeling stand und zum andern Boot rüberschrie. Ob dessen Manschaft seinen Zorn registrierte weiß ich nicht, die Touris an Bord schauten nur verwirrt. Zurück an Deck konnte ich beobachten, dass das gerade erlebte Manöver zwar ganz besonders riskant für Riff und Taucher war, aber sich gut in das Gesamtchaos einfügte. Dafür, dass all diese Boot Taucher transportieren, war es wirklich erschreckend, wie rücksichtslos sie um das Riff herum fuhren. Man sah auch deutlich den Unterschied zwischen Tages- und Safaribooten. Ob letztere die bessere Crew haben oder einfach die Schiffe so viel teurer sind, so dass man einen Unfall nicht auch noch provozieren will - so oder so manövrierten sie deutlich vorsichtiger.
Ras Elidischa

Unser letzter Tauchgang. Während des Mittagessens fuhren wir weiter nach Hurghada und machten unterwegs noch an diesem Riff Halt. Hier war deutlich weniger los. Außer uns nur ein paar Tagesboote, davon einige mit überwiegend Schnorchlern, die Taucher schienen alle Anfänger zu sein. Ein letztes Mal stiegen wir ins Zodiak (was ohne Wellengang wirklich ein Kinderspiel ist) und es fuhr uns ein Stück das Riff entlang.
Nachdem ich etwas Mühe hatte runter zu kommen, genoss ich noch einmal die gute Sicht. Es gab zwar, auch im Vergleich mit dem Panorama Reef, nicht wahnsinnig viel zu sehen, aber als alter Süßwassertaucher bin ich ja eh nicht so anspruchsvoll. Es war ein sehr geruhsamer Tauchgang, genau das Richtige, um die Safari abzuschließen.

Nach einer halben Stunde merkte ich allerdings, dass ich Mühe hatte, beim fotografieren ohne Bewegung meine Tiefe zu halten. Es dauerte tatsächlich eine Weile, bis mir auffiehl, dass ich keinen Bleigurt anhatte! Ja ganz prima - das erklärte auch die Schwierigkeit beim Abtauchen. Nach einer Weile wurde der Auftrieb so massiv, dass ich schon den Tauchgang abbrechen wollte. Aber zum Glück konnte mir mein Buddy eine 4,5kg Bleitasche geben, so dass es doch noch ein schöner Einstundentauchgang wurde.
Zurück an Bord wurde nach dem Abrödeln etwas wehmütig das gesamte Equipment gründlich gespült. Eine Woche war rasend schnell vergangen und unser letzter Tauchgang lag hinter uns. Während der Überfahrt wurden, um das Abschiednehmen etwas zu lindern, gleich Pläne für das nächste Jahr gemacht. Eine Alteisentour im Norden des Roten Meers in dieser Runde wäre bestimmt ein großer Spaß!
© A.Nowotny, bis auf (1)© S.Opitz

