Landgang auf Big Brother
Reif für die Insel

Die Brothers sind ein militärischer Außenposten und dementsprechend sind die Inseln und auch das umgebende Riff eigentlich militärisches Sperrgebiet. Lange Zeit war dem auch so und Tauchen an den Inseln nicht möglich. Inzwischen hat sich das geändert, die Brothers sind Teil des Marineparks Area 1 und eröffnet den Tauchern eine der schönsten Destinationen des nördlichen Roten Meers. Allerdings kann diese Freigabe jederzeit und ohne große Vorankündigung wieder entzogen werden, was meines Wissens aber in den letzten Jahren nicht vorgekommen ist.
Inzwischen ist es sogar möglich Big Brother zu besuchen und auch wir ließen uns die Möglichkeit für einen Landgang nicht entgehen. Wir setzten mit dem Zodiac von der Seaflower zum Landungssteg über. Es war irgendwie ungewohnt in normaler Kleidung, ohne das ganze Tauchgerödel, im Zodiac zu sitzen. Glücklicherweise fuhr unser Skipper so umsichtig durch die Wellen, dass wir praktisch trocken an Big Brother anlegten.
Über den Steg geht es auf die Insel und im ersten Moment hatte ich das Gefühl, dass der Steg etwas wackelig war und leicht hin und her schwankte. Aber es stellte sich heraus, dass ich und die anderen inzwischen nur an das schaukelnde Boot gewöhnt waren und fester Grund unseren Gleichgewichtssinn verwirrte.
Aus der Vogelperspektive

Viel gibt es auf Big Brother nicht zu sehen, ein paar Unterkünfte für die Soldaten, der Leuchtturm und karger Stein mit etwas Sand. Der Leuchtturm bot sich als erstes Ziel an, um einen schönen Überblick über die ganze Insel zu erhalten. Der Blick von der Plattform beim Leuchtfeuer war unerwartet interessant, bot er doch einen Gesamteindruck der beiden Inseln aus der Vogelperspektive. Man hatte fast den Eindruck, Big Brother sei ein langes Schiff, mit großer Bugwelle, wo die Strömung auf die Nordwestspitze trifft, mit einigem Abstand im Schlepptau der kleine Bruder.

Ein beliebtes Fotomotiv waren die Safarischiffe, wobei deutlich wurde, wie klein die Seaflower im Vergleich zur Heaven Diamond ist. Kein Wunder, dass unser Schiff von den Wellen so durchgeschüttelt wurde. Auch das Saumriff, das die Insel umgibt war aus der Höhe gut zu erkennen und funkelte in verschiedenen Grüntönen zu uns herauf. Ein letzter Rundblick, Gruppenfotos von allen und dann ging es auch schon wieder die enge Wendeltreppe hinunter ins Freie, wo uns der Big Brother Basar erwartete.
Basar unterm Leuchtturm

Die Soldaten hatten eine Gelegenheit gefunden ihren Sold aufzubessern, indem sie Big Brother Souvenirs, hauptsächlich in Form von T- und Sweat-Shirts verkauften. Warum auch nicht und da auch nicht so viele Personen auf der Insel vorbeischauen, hat so ein T-Shirt einen größeren Erinnerungswert als das zehnte Hurghada T-Shirt. Womit ich nicht gerechnet hatte war die Qualität - die war so gut wie von nur wenigen meiner Souvenir-T-Shirts!

Anschließend war ein Spaziergang an die Nordspitze angesagt und gemeinsam liefen wir vor zur Felskante. Der Wind war ziemlich kräftig und genau an der Spitze musste man sich fast gegen ihn lehnen, um nicht umgeblasen zu werden. Unter uns schäumten die brechenden Wellen auf dem Riffdach und wir konnten gut die Stelle ausmachen, wo wir zur Numedia abgetaucht waren. Von oben wurde auch deutlich, warum wir ein gute Stück raus ins offene Meer tauchen mussten, damit uns das Zodiac gefahrlos aufsammeln konnte. Wir liefen langsam zurück, machten noch einen kurzen Abstecher zur anderen Spitze und sammelten uns am Landungssteg, um zum Boot zurück gebracht zu werden.

Dort schauten wir wieder hinüber zum Leutturm und ich dachte mir wieviel schöner es ist auf dem Boot zu sein und Big Brother anzusehen, als für zwei Monate auf der Insel stationiert zu sein und den Touristen auf ihren Booten beim Spaß haben zuschauen zu müssen. Kein Wunder, dass Big Brother bei den Tauchern als Garten Eden, bei agyptischen Soldaten aber als Vorhof der Hölle bekannt ist!
© A.Nowotny, bis auf (1)© M.Böhm

