Tauchsafari Ägypten 2007
Brother Islands - unter Haien
Das Holz des Schiffsrumpfes arbeitet nicht, es malocht. Es ächzt und stöhnt, während die Seaflower von den Wellen durchgeschüttelt wird.
Trotzdem schwankt das Boot deutlich weniger als vor ein paar Stunden. Ein Blick durch das Bullauge auf den Leuchtturm, das Wahrzeichen der Brothers, bestätigt, dass wir am Safariziel angekommen sind. Eine unruhige Nacht liegt hinter uns, acht Stunden Überfahrt von Hurghada. Jetzt liegt die Seaflower vertäut vor Big Brother und tanzt wie ein Korken auf den Wellen.
Zwei Tage vorher war ich mit meinem Freund Michi in Hurghada gelandet. Schon seit ein paar Monaten war geplant, dass wir zusammen mit unserem Redaktionskollegen Linus und einer Gruppe von Weltsverbandmitgliedern aus dem Taucher.Net eine Tour mit dem neuen Flagschiff der Seawolf Safari, der Seawolf Soul, machen. Leider fiel für uns die Jungfernfahrt ins Wasser, da die nötigen Genehmigungen für den Einsatz des Schiffes noch nicht erteilt waren. Cici von Seawolf Safari gab uns verschiedene Ersatzmöglichkeiten und wir entschieden uns für die Seaflower. Nicht das allermodernste Schiff, dafür exklusiv für unsere 11er Gruppe.
An Bord der Seaflower
Die Seaflower lag nicht direkt am Kai, aber nach einer etwas abenteuerlichen Überfahrt mit dem Zodiak waren wir endlich an Bord. Weil das Schiff nicht voll besetzt war, kam ich in den Genuss einer Einzelkabine, die ich sofort in Augenschein nahm. Zwei Kojen von einem winzigen Gang getrennt mit einem gemeinsamen Nachtkästchen, Stauraum unter den Betten, ein Schrank, ein kleines Bullauge nach draußen sowie eine kleine Nasszelle mit Dusche, Waschbecken und Toilette. Klein aber ausreichend und außer zum Schlafen wird man sich hier während der Safari sowieso nicht viel aufhalten.
Zurück zum Tauchdeck und den Tauchrucksack auspacken. Dabei merkte ich, dass alle außer mir einen Bleigurt auspackten. Mit Schrecken stellte ich fest, dass es zwar eine Kiste mit Blei, aber nirgends Gurte gab. Kein großes Problem, denn noch konnte ich den fehlenden Gurt bei der Basenleitung besorgen. Schwerer noch wog die Entdeckung, dass auch der Jacketgurt fehlt. Der liegt zu Hause mit meinem Single-Tank-Adapter in der Trockenkiste. Zum Glück hatten wir noch etwas Zeit und und auf dem Weg zum Restaurant in der Innenstadt von Hurghada konnte ich noch einen Gurt kaufen.
Abendlicher Ausflug nach Hurghada
Hurghada entpuppte sich als noch schrecklicher, als ich es mir vorgestellt hatte. Halbfertige Betongruinen, wahnsinnige Autofahrer und Geschäfte mit bizarren Namen, wie Bad Boy Bazaar oder Hooligan Internet Cafe, dazu die obligatorischen Filialen amerikanischer Fast Food Fabriken und sogar ein deutsches Restaurant. Die Straßen bevölkert von Bettlern, fliegenden Händlern und Touristen denen man (wie wahrscheinlich uns auch) sofort ansah, aus welchem Land sie stammten. Ein herrlich bizarres Wimmeln und Wuseln auf den Straßen und Bürgerteigen, die so konstruiert sind, dass maximale Gefahr einer schweren Beinverletzung besteht.
Linus bugsierte uns in ein Restaurant, das trotz eines englischen Namens authentische ägyptische Küche zu ebensolchen Preisen bot. Linsensuppe und Lammkebab, dazu ein erfrischender Hibiskussaft, alles für unter € 25,- für fünf Personen! Eine gelungene kulinarische Einstimmung auf die vor uns liegenden Tage an Bord der Seaflower. Nachdem wir wieder den Weg zurück zur Basis hinter uns gebracht hatten, war ich wirklich froh, keinen Landurlaub gebucht zu haben. Eine Safari bietet mit drei bis vier Tauchgängen Tauchen pur, ohne große Ablenkung, was für manche aber auch eine Horrorvorstellung ist. Kein abendliches Weggehen, keine Möglichkeit den Mitreisenden zu entkommen, für eine Woche sitzt man auf dem Boot fest. Für mich eine äußerst verlockende Vorstellung.
Zurück an Bord waren mit Guido und Lilia jetzt alle Mitglieder unserer Safari angekommen. Neben diesen beiden waren aus dem Weltverband auch Jackie und ihr Bruder Danni, die ich schon vom TNT in der Schweiz kannte, Taurus und Hasturlady sowie Basti und Steffi mit von der Partie. Ein kurzes gegenseitiges Kennenlernen bei einem gemeinsamen Bier und dann ging es, wie an allen Abenden, sehr früh ins Bett. Vor uns lag eine Woche Tauchabenteuer an Bord der Seaflower.
Angezeigte Seite: 1 von 8




