Mexiko 1999/2000

Tauchgänge vor Akumal

Der Horrorbuddy

Vorsicht ist bei alleinreisenden Tauchern nur bei der Buddywahl geboten. Kommt mit Euren Mittauchern vorher auf der Basis ins Gespräch, schaut Euch deren Ausrüstung an und wie sie diese zusammensetzen. Überlaßt die Zuordnung nicht erst den Guides auf dem Boot, sonst kann es Euch ergehen wie mir:

Mein erster Tauchgang: Ich sitze im Boot, der DG Moises ordnet mich einem gleichaltrigen Amerikaner zu. Ich (deutsche Gründlichkeit ;-) will Buddycheck machen - Antwort: "What? You're joking, right?" Moises checkt noch einmal alle Flaschen (machen alle Guides dort) und dreht dabei meinem Buddy erst einmal das Ventil auf. Kurzes Briefing: TG 40min auf max. 20 Meter, 3min Stop auf 5m. Wir springen alle ins Wasser, kurzes Sammeln an der Oberfläche (wie besprochen), ich drehe mich nach meinem Buddy um - da ist der schon auf dem Weg nach unten. Wir tauchen alle ab, treffen unten auf meinen Buddy, der daraufhin mit Affentempo durch's Riff rast. Ich zuerst hinterher, aber nach einer Weile war mir das zu blöd - außerdem sieht man so auch nichts. Ich habe dann die nächste Zeit meinen Buddy immer mal wieder vorbeizischen sehen, wobei er mich natürlich keines Blickes gewürdigt hat.


Da kann ich nicht nachstehen -
auf geht's zum buntem Meeresgetier

Schließlich, etwas mehr als 5 Minuten vor dem allgemeinen Austauchen, rüttelt jemand an meiner Flasche, ich dreh mich um - es ist mein lieber Buddy, der mir zeigt , dass er nur noch 30 Bar in der Flasche hat und nach oben will. Obwohl ich ihm eigentlich die UW-Zeichen für "Das geht mir am A.... vorbei" & "Da muß man durch" geben wollte, besann ich mich meiner Pflichten, verständigte den Guide und folgte meinem Buddy, der inzwischen ohne mich mit großer Geschwindigkeit den Aufstieg eingeleitet hatte. Mein Vorschlag zwecks Sicherheitsstop 3 min in 5m Rast einzulegen wurde ignoriert (weshalb ich meinen auf über 5 Minuten ausdehnte - es herrschte ziemlicher Wellengang und da ist es meist nicht so prickelnd an der Wasseroberfläche). Als ich auftauchte, wurde ich von ihm angemacht, warum ich nicht mit ihm aufgetaucht wäre - Sicherheitsstop sei nur fällig, wenn man den TG nicht schon vor dem Guide beendet (interessant!). Außerdem hätte er seit 5 Min versucht, das Boot auf sich aufmerksam zu machen - aber es hätte ihn wegen des Seegangs nicht gesehen. Gut, dass ich eine Stabboje dabei hatte (Boot kam innerhalb einer Minute), denn daran ist eine Leine befestigt, mit der man Buddies wie diesen während der Wartezeit auf das Boot erdrosseln kann ;-)

Natürlich hatte das Ganze noch ein Nachspiel:
Wieder an Bord begann mein Buddy sich beim Diveguide über mich zu beschweren! Er betonte insbesondere dass ich nicht sofort hochgekommen wäre, sondern noch einen Stopp eingelegt hätte. Der Guide fragte mich, und ich erklärte ihm die Situation ab seines plötzlichen Auftauchens. Darauf hin bekam er vom Guide einen Anpfiff weil er seinen Buddy allein gelassen hatte. Stinksauer beschloss mein Buddy bei der Basis sowohl mich wie auch den Guide anzuschwärzen. Das brachte ihm dann auf dieser Basis ein Tauchverbot ein. Was mich richtig gefreut hat!

Zu den Buddies im Allgemeinen

Insgesamt konnte ich in Bezug auf Buddies folgendes feststellen:

Buddychecks wurden selten bis nie durchgeführt. Mein Wunsch nach Check (damit ich zumindest weiß, wo mein Buddy seinen Oktopus versteckt; z.B. zwischen Rücken und Jacket!!) erntete zwar war kein Gelächter, aber so manche Kommentare, wie "... ist was für Weicheier", "... hab ich seit dem Kurs nicht mehr gemacht", "... hab mich doch schon gecheckt", "... was für`n Check?" oder so ähnlich auf englisch, da außer mir fast alle Taucher Amis waren. Der einzige Taucher, der zwar keinen Check machte, aber mir wenigsten zeigte, wo alles bei ihm hing und sehen wollte wo was bei mir war, war ein Feuerwehrtaucher aus Pennsylvania.

Insgesamt war ich doch über das taucherische Können meiner Mittaucher eher erschrocken - und dabei würde ich mich selbst durchaus noch als Anfänger klassifizieren. Tarierung war bei vielen erschreckend, der 3min Stop auf 5 Meter für viele eine schier unüberwindliche Hürde. Der Höhepunkt war aber ein Taucher, der beim Anblick einer Schildkröte sein Messer zückte und wie wild damit rumfuchtelte. Auf die spätere Frage, was das den sollte, sagte er, er habe sich bedroht gefühlt. Alles klar :-)

Ich war dann doch sehr froh, als mein Bruder seinen Schein hatte und ich damit automatisch einen vernünftigen Buddy hatte.

Insgesamt kann ich über die TG sagen, dass sie wirklich schön waren und die Guides eigentlich alle bemüht waren, einem auch verstecktere Schönheiten des Riffs zu zeigen, ohne dass es aufdringlich oder gängelnd wirkte. Ich weiß, geführte TG sind nicht jedermanns Sache, aber wenn geführt, dann sollten sie so wie diese sein.

 



              
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Außer wenn gesondert angegeben: Texte und Photos & Illustrationen © 1999 - 2012 Andreas Nowotny

Letzte Änderung 16-Jun-10 11:23