Tauchcomputer

Mares PUCK AIR

Manchmal hört sich eine Idee gut an, klingt bestechend einfach, logisch und nützlich. Aber hält diese gute Idee auch den Tiefen der Praxistauchgänge stand?


Der Mares Puck Air

Beim neuen Mares Puck Air lautet diese Idee „One button to rule them all“. Warum den Benutzer mit vielen Knöpfen nerven? Buttons die, eventuell mit befeuchteten Fingern, in bestimmter Reihenfolge gedrückt werden müssen der je nach Menü unterschiedliche Funktionen haben. Warum nicht nur einen Button und dafür eine logische Benutzerführung anbieten?
Mit diesem Anspruch nimmt man den Puck Air beim Auspacken in die Hand und drei Merkmale fallen sofort ins Auge: Ein insgesamt schlichtes, aber stilvolles Design, vier Ösen (davon eine um 360° drehbar) um den Computer optimal in jeder Konfiguration zu befestigen und der einzelne Bedienknopf. Dessen rote Farbe und seine Position fast genau in der Mitte des Geräts schreien förmlich in die Welt hinaus: „Seht her, ich bin ganz allein - drückt mich!“

Die Bedienung des Mares Puck

Gerade simpel erscheinende Geräte müssen ausgefuchst konstruiert sein, um den Benutzer bei der Bedienung zu unterstützen und nicht zu behindern. Gab es im Vorfeld Zweifel, so sind diese nach wenigen Minuten weggewischt. Ein Druck auf den Knopf, der Computer springt an und zeigt den Standardbildschirm. Ein längerer Druck und die Hintergrundbeleuchtung ist aktiviert. Ein kurzes Antippen und man gelangt in das Menü. Das System ist schnell verstanden: ein langes Pressen bringt einen in den nächsten Untermenüpunkt oder, ist man schon auf der untersten Ebene, in den Editiermodus des jeweiligen Punktes. Durch kurzes Antippen manövriert man durch die Menüebene oder ändert Werte im Editiermodus. Durch die logische Menüzusammenstellung ist die Einstellung des Mares Puck Air tatsächlich auch ohne Gebrauchsanleitung ein Kinderspiel. Glückwunsch Mares – hier gibt es die volle Punktzahl!

Der Puck Air in der Praxis

In der Praxis bestätigt sich der Eindruck, man kommt gut zurecht. Nur in einer Situation wünscht man sich dann doch einen zweiten Button: Wenn man oft hintereinander mit wechselnden Nitroxgemischen taucht. Denn ist der letzte O2-Wert niedriger als der aktuelle, muss man sich mühsam auf 50 Prozent und dann von 21 Prozent bis zum Zielwert hochhangeln. Auch wenn dies lästig ist, zu diesem Zeitpunkt ist man vom Einknopf-Design schon so überzeugt, dass man diese Konsequenz in Kauf nimmt.


Fast perfekter Allrounder

Auch im Wasser macht sich der Puck Air sehr gut, das Display und die wichtigsten Werte in der Anzeige sind groß genug. Selbst Taucher mit nicht ganz optimaler Sehstärke haben keine Probleme bei der Bedienung. Die selbstabschaltende Hintergrundbeleuchtung ist nicht extrem hell und, wie die Leuchtdauer, völlig ausreichend.

Das Rechenmodell beim Puck Air gibt keinen Anlass zur Kritik. Er scheint identisch wie sein großer Bruder Nemo Wide zu rechnen, ist persönlich einstellbar und weder zu konservativ noch zu risikofreundlich. Deep-Stops werden angezeigt und wie bei den Deko- und Sicherheitsstopps wird die Zeit deutlich sichtbar Sekunde für Sekunde herunter gezählt. Leider zeigt sich genau hier ein großes Manko: Unterschreitet man 50 Bar Flaschendruck, geht der Computer davon aus, dass man kurz vor dem Exitus steht. Die Barzahl blinkt anklagend auf dem Display. Befindet man sich im Dreiminuten- Sicherheitsstopp, wird dieser vom Computer einfach abgebrochen (die Deko wird zum Glück weiter herunter gezählt). Hierfür gibt es gravierende Abzüge in der B-Note. Denn in vielen Fällen endet der Tauchgang ja so, dass die drei Minuten Sicherheitsstopp erst bei knapp 50 Bar anfangen.

Resümee

Manche Ideen, die sich in der Theorie gut anhören, bestehen tatsächlich auch den Praxistest. Der Mares Puck Air und sein Einknopf-Prinzip sind durchdacht und funktionieren tadellos. Wäre da nicht dieses gravierende Manko des abgebrochenen Sicherheitsstopps, könnte man den Computer gerade für die Gruppen "Anfänger" bis "ambitionierte Nitroxtaucher" uneingeschränkt empfehlen. So nur eingeschränkt.



Dieser Artikel erschien ursprünglich im Magazin Dive Inside in der Ausgabe 08/09

Text © 2009 Andreas Nowotny, Photos © 2009 Michael Böhm

 



              
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Letzte Änderung 04-Jul-10 21:44