Kauftipp: Tauchcomputer
Tauchcomputer - Ja oder nein?
Wird in einem Forum die Frage gestellt, ob man sich generell einen Tauchcomputer zulegen soll, wird dies in der Regel von den meisten mit "Ja" beantwortet, eine kleine Fraktion wird jedoch Computer eisern ablehnen.
Vorteile eines Tauchcomputers
Keine Frage, ein Tauchcomputer hat viele Vorteile, die nicht von der Hand zu weisen sind:
- Ständige Nullzeitkontrolle
- Mit einem Tauchcomputer hat man immer genau im Blick, wie lange die Nullzeit
auf der aktuellen Tiefe noch ausreicht. - Längere Gesamttauchzeit
- Da Tauchcomputer bei der Berechnung das tatsächliche Profil bei der Berechnung zu Grunde legen, ergeben sich in den meisten Fällen längere mögliche Tauchzeiten, als bei der Verwendung von Tabellen
- Multilevelberechnung
- Ohne Tauchcomputer ist eine vernünftige Multilevelberechnung
von Tauchgängen nur schwer möglich. Selbst die Verwendung von PADIs "The Wheel" (tm) bringt nur eine Annäherung, die nicht so genau wie ein Computer ist. - Bequeme Dekoberechnung
- Dekorechner berechnen bei Dekotauchgängen
die entsprechenden Stufen und Verweildauern nach dem tatsächlichen Tauchgangsprofil - Genaue Tiefenanzeige
- Bei den meisten TC ist die Tiefenanzeige genauer als ein mechanische Tiefenmesser und zeigt auf eine Stelle hinter dem Komma genau die Tiefe an. Allerdings will ich hier darauf hinweisen, dass bei einer Druckkammerfahrt nur 2 Computer die tatsächliche Tiefe anzeigten, die anderen zeigten alle eine größere Tiefe an (was immerhin sicherer ist, als eine zu geringe Tiefe).
- Aufstiegshilfe & Warnhinweise
- Tauchcomputer zeigen an, wenn die zulässige Aufstiegsgeschwindigkeit
überschritten wird und bietet auch andere Warnhinweise (zum Teil einstellbar: Tiefen- und/oder Zeitüberschreitung, Luftverbrauchswarnung (bei luftintegrierten TC)) - Logbuchfunktion
- Speicherung des Tauchprofils, evtl. mit Luftverbrauch, Temperatur und Sättigungsinformation. Kann oft heruntergeladen und am Computer als volles Logbuch betrachtet werden mit Anmerkungen etc.
Man sollte auch nicht vergessen, dass diese Funktion bei Unfällen von großer Bedeutung für die Klärung des Unfallhergangs und die Behandlung des verunglückten Tauchers ist.
Nachteile eines Tauchcomputers
Keine Frage, die oben gelisteten Vorteile sprechen deutlich für die Verwendung eines Tauchcomputers:
- Falsche Sicherheit
- Wer sich zu 100% auf seinen Computer verlässt, lebt gefährlich. Wie auch Tabellen, so sind Tauchcomputer nur im statistischen Mittel sicher, denn die Sättigungsberechnung basiert auf angenommenen Geweben, die sich vom Sättigungsverhalten der realen Gewebe der jeweiligen Taucher teilweise gravierend unterscheiden kann. Durch das Rechteckprofil
einer TG-Berechnung mittels Tabelle wird zwar der TG verkürzt, aber ein Sicherheitspuffer erreicht, den ein Computer so nicht bieten kann. Dramatische Folgen kann daher der nächste Punkt haben: - Verleitet zur maximalen Ausreizung der Nullzeit
- Eine beliebte Tätigkeit bei Tauchern ist das sogenannte "Nullzeitschrubben", d.h. man bleibt auf einer Tiefe bis die Nullzeit praktisch abgelaufen ist, taucht dann etwas höher und wiederholt das Spiel. Man taucht laut Computer also immer hart am Rande der Nullzeit. Da die Berechnung aber auf theoretischen Überlegungen basiert, die genau für diesen Fall nicht wirklich zutreffen, ist bei solchen Tauchgängen die Gefahr eines Dekompressionsunfalls entsprechend hoch.
- Verleitet dazu, sich nicht mit Dekompressionstheorie auseinander zu setzen
- Ohne Tauchcomputer muss man seine Tauchgänge mit einer Tabelle planen und sich dabei automatisch mit Dekompressionstheorie zumindest ansatzweise auseinander setzen. Bei der Arbeit mit einer Tabelle sieht man auch auf einen Blick, was für Auswirkungen durch eine etwas größere Tiefe oder längere Tauchzeit auf der Tiefe entstehen. Wenn man nur mit Tauchcomputer taucht, nimmt man die Zusammenhänge im Detail so nicht wahr.
- Kann ausfallen
- Was tun bei Ausfall des Tauchcomputers? Eigentlich kein Problem:
- An der Taucheruhr die vorher eingestellte Abtauchzeit ablesen
- Am (mechanischen) Tiefenmesser die maximale Tiefe ablesen
- An der Tabelle die daraus resultierenden Austauchzeiten ablesen und nach ihnen austauchen
Ich habe als Argument für Computer schon gehört, dass man ohne dem Diveguide ausgeliefert ist und keine Kontrolle hat. Meine persönliche Erfahrung ist aber, dass Guides bei geführten Touren eher ein konservatives Profil an den Tag legen - schließlich wollen sie ja alle Gäste, unter denen oft unerfahrene dabei sind, wieder heil nach oben bringen. Und eine gewisse Kontrolle hat man mittels Uhr, Tiefenmesser und Tabelle ja auch!
Resüme
Aus den zwei Auflistungen geht ganz klar hervor, wo die Vorteile des Tauchcomputers liegen, in der Bequemlichkeit und in der Verlängerung der Tauchzeit bei "typischen" Tauchgängen, d.h. kurz auf die maximale Tiefe und dann gemütlich im Bereich zwischen 15m und 5m umherdümpeln. Klar wird allerdings auch, dass beim Thema Sicherheit ein nach Tabelle geplanter Tauchgang höhere Reserven bietet. Und wie soll man sich jetzt entscheiden?
Mein Empfehlung:
Generell "Ja" zum Tauchcomputer. Er ist praktisch, speichert meine Tauchgänge, so dass ich mir zu Hause die Profile grafisch ansehen kann, und ist einfach ein klasse Spielzeug.
Für Tauchanfänger empfehlen kann ich den Kauf aber eher nicht. Warum könnt ihr im nächsten Kapitel lesen.