Mexiko 1999/2000

¤ Akumal ¤ Akumal Dive Shop - Tauchpakete - In der Praxis - Horrorbuddy - Über die Buddywahl ¤ Die Grand Cenote ¤

Wieder in Akumal

Diesmal in Akumal zusammen mit meinem Bruder, der dort seinen PADI Open Water machte.

Wie schon vorletztes Jahr, so hatte ich auch letzte Weihnachten die Möglichkeit eine Woche in Akumal, 1 Std. südlich von Cancun, zu verbringen. Diesmal war mein Hauptziel möglichst viel zu tauchen, und mein Bruder wollte ebenfalls seinen Tauchschein machen.

Akumal Dive Shop

Wie ich vom Vorjahr wußte, befindet sich dort der AKUMAL DIVE SHOP, eines der ältesten Tauchoutfits der Gegend. Es ist sehr klein und persönlich und die Leute gehen sehr auf die Wünsche der Taucher ein. Ich hatte mich schon im Vorfeld via Emails mit dem Shop in Verbindung gesetzt und war begeistert, wie prompt meine Fragen, ob zur vorhandenen Ausrüstung oder zur Organisation des Kurses für meinen Bruder, beantwortet wurden.
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Tauchpakete

Hier ist er mit seinem Tauchlehrer David nach seiner ersten Freiwasserstunde.

Der Dive Shop bietet verschiedene Tauchpakete an, die je nach Anzahl den Einzelpreis senken. Ich hatte mich für das 10 TG Programm entschieden, das mir ein guter Preis erschien, ohne dass ich unbedingt dreimal am Tag tauchen mußte. Bei der Anmeldung legte ich auch meine $ 200,- für das Paket hin, was den Typ etwas verblüffte. Er meinte, eigentlich würden alle erst am Ende zahlen - einfach tauchen und am Schluß schauen, wieviel TG man angesammelt hat und welchem Paket das entspricht. Sehr cool. Mein Geld habe ich aber trotzdem dagelassen - lieber als soviel Bargeld im Hotel zu lassen.

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In der Praxis

Wenn man einen Kurs macht, dann bekommt man einen geräumigen Locker für sein Gerödel kostenlos, ansonsten für $1 / Tag, kostenlose Naßablagen sind auch vorhanden. Am Eingang vor dem Shop hängt eine Tafel mit den TG der nächsten Tage, auf der man sich einträgt. Dann kommt man 1/2 Stunde vor Abfahrt, holt sich Blei, Flasche und was man sonst so braucht, montiert sein Zeug, läuft zum Strand und ab ins Boot. Die Tauchgebiete liegen mehr oder minder direkt vor der Haustür , die Fahrt mit dem (recht kleinen) Boot hat nie mehr als 25 min. gedauert. Auch hier wird wieder in Buddy-Gruppen mit Guide getaucht, wobei darauf geachtet wurde, dass Taucher mit ähnlicher Erfahrung zusammen kamen - was nicht immer ganz einfach war, doch dazu später. Unter Wasser wirft der Guide öfters einen Blick auf die eher unerfahrenen

Da strahlt Oliver - sein erster Tauchgang nach dem Kurs und schon 2 Schildkröten und einen Stachelrochen gesehen
Taucher, kontrolliert aber von allen ab und zu den Flaschendruck. Obwohl es durchwegs geführte TG sind, hatte ich nie den Eindruck, gehetzt zu sein. Die Guides waren bemüht, schöne und interessante Stellen zu zeigen, man konnte aber auch in gewissem Maße einfach vor sich hintauchen und angucken, was einen selber interessierte. Ausgetaucht wird zusammen mit 3min Stop auf 5 Meter (wo die Diveguides einem vormachen, wie entspannt ein perfekt austarierter Taucher aussieht. Besonders der Guide Lupo hat mich sehr beeindruckt: Lag völlig regungslos auf dem Rücken und blies perfekte Luftringe nach oben - und das bei durchaus größerem Wellengang). Getaucht wird streng nach PADI RecDive Tabelle (best. Tiefe max. Zeit), natürlich nicht die metrische Version, was mich teilweise etwas in Schwierigkeiten gebracht hat, da ich noch keinenComputer und nur einen metrischen Tiefenmesser dabei hatte. Geht einem früher die Luft aus, wird man mit der Person, die am nächstwenigsten Luft hat nach oben geschickt, wo man vom Boot aufgesammelt wird. Insgesamt liefen die Tauchgänge immer sehr ruhig und angenehm ab.

Man kann sich auch einfach Ausrüstung mieten und ungeführt mit Buddy direkt vom Strand weg tauchen, aber da man in der Bucht super schnorcheln kann (es ist zum Tauchen fast nicht tief genug) und man eine ganze Weile zum Riff vor der Bucht braucht, habe ich das nicht gemacht.

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Der Horrorbuddy

Vorsicht ist bei alleinreisenden Tauchern nur bei der Buddywahl geboten. Kommt mit Euren Mittauchern vorher auf der Basis ins Gespräch, schaut Euch deren Ausrüstung an und wie sie diese zusammensetzen. Überlaßt die Zuordnung nicht erst den Guides auf dem Boot, sonst kann es Euch ergehen wie mir:

Mein erster Tauchgang: Ich sitze im Boot, der DG Moises ordnet mich einem gleichaltrigen Amerikaner zu. Ich (deutsche Gründlichkeit ;-) will Buddycheck machen - Antwort: "What? You're joking, right?" Moises checkt noch einmal alle Flaschen (machen alle Guides dort) und dreht dabei meinem Buddy erst einmal das Ventil auf. Kurzes Briefing: TG 40min auf max. 20 Meter, 3min Stop auf 5m. Wir springen alle ins Wasser, kurzes Sammeln an der Oberfläche (wie besprochen), ich drehe mich nach meinem Buddy um - da ist der schon auf dem Weg nach unten. Wir tauchen alle ab, treffen unten auf meinen Buddy, der daraufhin mit Affentempo durch's Riff rast. Ich zuerst hinterher, aber nach einer Weile war mir das zu blöd - außerdem sieht man so auch nichts. Ich habe dann

Da kann ich doch nicht nachstehen - auf geht's auf der Suche nach buntem Meeresgetier
die nächste Zeit meinen Buddy immer mal wieder vorbeizischen sehen, wobei er mich natürlich keines Blickes gewürdigt hat. Schließlich, etwas mehr als 5 Minuten vor dem allgemeinen Austauchen, rüttelt jemand an meiner Flasche, ich dreh mich um - es ist mein lieber Buddy, der mir zeigt , dass er nur noch 30 Bar in der Flasche hat und nach oben will. Obwohl ich ihm eigentlich die UW-Zeichen für "Das geht mir am A.... vorbei" & "Da muß man durch" geben wollte, besann ich mich meiner Pflichten, verständigte den Guide und folgte meinem Buddy, der inzwischen ohne mich mit großer Geschwindigkeit den Aufstieg eingeleitet hatte. Mein Vorschlag zwecks Sicherheitsstop 3 min in 5m Rast einzulegen wurde ignoriert (weshalb ich meinen auf über 5 Minuten ausdehnte - es herrschte ziemlicher Wellengang und da ist es meist nicht so prickelnd an der Wasseroberfläche). Als ich auftauchte, wurde ich von ihm angemacht, warum ich nicht mit ihm aufgetaucht wäre - Sicherheitsstop sei nur fällig, wenn man den TG nicht schon vor dem Guide beendet (interessant!). Außerdem hätte er seit 5 Min versucht, das Boot auf sich aufmerksam zu machen - aber es hätte ihn wegen des Seegangs nicht gesehen. Gut, dass ich eine Stabboje dabei hatte (Boot kam innerhalb einer Minute), denn daran ist eine Leine befestigt, mit der man Buddies wie diesen während der Wartezeit auf das Boot erdrosseln kann ;-)

Natürlich hatte das Ganze noch ein Nachspiel:
Wieder an Bord begann mein Buddy sich beim Diveguide über mich zu beschweren! Er betonte insbesondere dass ich nicht sofort hochgekommen wäre, sondern noch einen Stopp eingelegt hätte. Der Guide fragte mich, und ich erklärte ihm die Situation ab seines plötzlichen Auftauchens. Darauf hin bekam er vom Guide einen Anpfiff weil er seinen Buddy allein gelassen hatte. Stinksauer beschloss mein Buddy bei der Basis sowohl mich wie auch den Guide anzuschwärzen. Das brachte ihm dann auf dieser Basis ein Tauchverbot ein. Was mich richtig gefreut hat!

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Zu den Buddies

Insgesamt konnte ich in Bezug auf Buddies folgendes feststellen:

Buddychecks wurden selten bis nie durchgeführt. Mein Wunsch nach Check (damit ich zumindest weiß, wo mein Buddy seinen Oktopus versteckt; z.B. zwischen Rücken und Jacket!!) erntete zwar war kein Gelächter, aber so manche Kommentare, wie "... ist was für Weicheier", "... hab ich seit dem Kurs nicht mehr gemacht", "... hab mich doch schon gecheckt", "... was für`n Check?" oder so ähnlich auf englisch, da außer mir fast alle Taucher Amis waren. Der einzige Taucher, der zwar keinen Check machte, aber mir wenigsten zeigte, wo alles bei ihm hing und sehen wollte wo was bei mir war, war ein Feuerwehrtaucher aus Pennsylvania.

Insgesamt war ich doch über das taucherische Können meiner Mittaucher eher erschrocken - und dabei würde ich mich selbst durchaus noch als Anfänger klassifizieren. Tarierung war bei vielen erschreckend, der 3min Stop auf 5 Meter für viele eine schier unüberwindliche Hürde. Der Höhepunkt war aber ein Taucher, der beim Anblick einer Schildkröte sein Messer zückte und wie wild damit rumfuchtelte. Auf die spätere Frage, was das den sollte, sagte er, er habe sich bedroht gefühlt. Alles klar :-)

Ich war dann doch sehr froh, als mein Bruder seinen Schein hatte und ich damit automatisch einen vernünftigen Buddy hatte.

Insgesamt kann ich über die TG sagen, dass sie wirklich schön waren und die Guides eigentlich alle bemüht waren, einem auch verstecktere Schönheiten des Riffs zu zeigen, ohne dass es aufdringlich oder gängelnd wirkte. Ich weiß, geführte TG sind nicht jedermanns Sache, aber wenn geführt, dann sollten sie so wie diese sein.

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Die Grand Cenote

Mein absoluter taucherischer Höhepunkt in diesem Urlaub war aber ein Cenoten TG. Cenoten sind Karsteinbrüche, von denen man in ein weitverzweigtes Höhlensystem kommt. Die Yukatan Halbinsel hat eines der größten Höhlensysteme der Welt, nur ein kleiner Teil ist bis jetzt erforscht. Ich war im Jahr vorher schon in einigen Cenoten gewesen und habe da geschnorchelt (schon das ist sehr

Photo by Marko Reckel
Mexican Cenote
empfehlenswert) und diesmal wollte ich unbedingt einen Cenoten TG machen. Zum Glück bietet der Akumal Dive Shop diese an. Cenoten sind sehr gefährlich und sollten ohne Führer nicht betaucht werden - außer man ist brevetierter Höhlentaucher. In den Höhlen Yukatans sind schon viele Taucher gestorben, aber nach Aussage unseres Guides schon lange kein Höhlentaucher mehr.

Dem Unterfangen angemessen war das Briefing um einiges länger als bei anderen Tauchgängen. Getaucht wird mit maximal 4 Personen pro Guide,

Photo by Marko Reckel
Guide Rope
diese müssen voll höhlenbrevetiert sein, obwohl es sich um einen sog. "Cavern"TG handelt, man ist also immer in Sichtweite des Höhleneingangs. Nach dem Briefing, das auch besonders die Sicherheitsvorkehrungen behandelte, fuhren wir zur Grand Cenote. Wir wurden in 2 Gruppen aufgeteilt, die im Abstand von ca. 5min tauchen sollten. Während Cory (einer der Guides) noch eine Leine verlegte, gab uns Scott Bonis noch einmal eindrücklich zu verstehen, wie wichtig es sei an der Führungsleine entlangzutauchen und auf unsere Tarierung zu achten. Nachdem die erste Gruppe mit Cory weg war, teilte Scott unsere Gruppe ein. Dann ging es los - in einer Reihe nacheinander. Es war absolut fantastisch.

Ich habe die Faszination von Höhlen TG nie nachvollziehen können - jetzt kann ich es. Das Wasser war absolut klar, am tiefsten Punkt waren wir ca. 60m vom Einstieg entfernt und man hat noch die kleinen Fische an der Einstiegsleiter gesehen. Wenn der Taucher vor einem nicht ausatmete, sah es aus, als ob er schwebte. Die Luftblasen perlten an der Höhlendecke wie Quecksilber entlang, die Formationen der Stalagtiten und Stalagmiten waren bizarr und eindrucksvoll. Wenn man zum

Photo by Marko Reckel
UW-warning sign
Einstieg zurücksah, hatte das Wasser eine türkisleuchtende Farbe. Es war ein unglaubliches Erlebnis und eine wirkliche Herausforderung an das Tariervermögen. Wir sollten so langsam wie möglich ca. 1/2 - 1 Meter über dem Grund an der Leine entlangtauchen. Falsches Tarieren resultiert in der Aufwirbelung von Sedimenten und damit extremen Sichtverlust. Deshalb sollte man wirklich firm in der Tarierung sein, ansonsten verdirbt man sich und anderen leicht den Spaß. Scott wachte über uns - ich muß sagen, ich habe mich selten so gut aufgehoben gefühlt wie bei ihm.

Ich kann so einen Cenoten TG nur empfehlen (besonders bei Scott), warne aber noch einmal vor der Gefahr, ungeführt als Nichthöhlentaucher reinzugehen.

Insgesamt ein fantastischer Urlaub mit tollen TG. Die Basis bekommt von mir 10/10 Punkten für Freundlichkeit, Kompetenz und Service. Ich hoffe irgendwann noch einmal nach Mexiko zu kommen und dann natürlich beim Akumal Dive Shop zu tauchen.

Eine Homepage hat der Akumal Dive Shop auch.

Vielen Dank an Marko Reckel für die Erlaubnis, seine Bilder nutzen zu dürfen.

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copyright Andreas Nowotny 2000



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