Tauchmesser
Eickhorn Solingen Rescue Tool RT-IV
Tauchermesser - (fast) jeder hat eines, aber wer hat seines wirklich schon mal benutzt? Aber wie bei allen Ausrüstungsgegenständen, ist auch hier die Wahl nicht nur eine Glaubenssache die wild verteidigt wird, sondern unterliegt modischen Schwankungen!
Waren vor ein paar Jahren noch große Messer aktuell, deren Klingen auch beim Ausnehmen von kleineren Walen eine gute Figur abgegeben hätten und mit denen man Tauchneulinge schwer beeindrucken konnte, geht seit einiger Zeit der Trend eher zu kleineren Messern, die man sich an den Inflatorschlauch klemmen kann, ohne dass sie stören.
Als ich daher auf der Boot 2004 zum ersten Mal das Tauchmesser RT-IV von der Firma Eickhorn Solingen sah, fiel mir zuerst einmal die Größe dieses Messers auf. Gleichzeitig machten verschiedene Ausstattungsmerkmale neugierig, und ich freute mich darauf, dieses Messer testen zu können.
Eigenschaften
Der Griff
Mit einer Gesamtlänge von ca. 27cm ist das RT-IV kein Spielzeug. Die Klinge ist nur unwesentlich kürzer als der Griff und das Messer liegt mit einem Gewicht von 380gr angenehm ausgewogen in der Hand. Der eigentliche Griff besteht aus Glasfieber-verstärktem Polyamid und weist zwei Besonderheiten auf: Auf beiden Seiten befinden sich nachleuchtende Signalstreifen, durch die man das Messer auch bei absoluter Finsternis gut finden kann und am Griffkopf befindet sich ein Scheibenzertrümmerer.
Die Klinge
Die Klinge hat auf 2/3 der Gesamtlänge einen 1/2 Wellenschliff, gefolgt von einem Glattschliff, der in eine Hakenklinge übergeht. Die Messerspitze ist keine Spitze, sondern ist in Form eines größeren Schraubenziehers gefertigt.
Erste Tests an Land ergaben, dass das Messer scharf ist. Sehr scharf sogar! Besonders die Hakenklinge hat es in sich. Beim Test an Land schnitt es ohne jede Mühe durch unterschiedlich dicke Paketschnüre. Die Kraftanstrengung war praktisch Null.
Zum Lieferumfang gehört auch eine Messerscheide. Dabei gibt es zwei Varianten, eine Cordura Hülle die besonders dafür geeignet ist, dass Messer an verschiedenen Teilen der Tauchausrüstung zu befestigen. Mein Testexemplar kam in einer Hartplastikschale, so wie ich es auch auf der Boot gesehen hatte. Diese Schale ist so geformt, dass sie das Messer fest umschließt, gleichzeitig ein leichtes Herausnehmen und Einführen der Klinge ermöglicht. Ich war gegenüber dieser Hülle zuerst etwas skeptisch, konnte mich aber nach ein paar Schleuderversuchen von der Greifstärke der Hülle überzeugen.
In der Praxis
Nach einigen Überlegungen zur besten Befestigungsmöglichkeit entschloss ich mich, das Messer an meinem Bleigurt zu befestigen. Durch die Konstruktion der Hülle ist eine Befestigung nicht so ganz einfach, da ist die Corduraversion sicherlich die bessere Wahl. Vorteil der Befestigung am Bleigurt war in meinem Fall die Möglichkeit, den langen Schlauch gut unten durch zu führen.
Messerscharf
Für den Praxistest nahm ich bei mehreren Tauchgängen unterschiedlich dicke Nylon- und Rebschnüre mit ins Wasser. Am Anfang stand aber erst einmal der Ast-Test. Kleinere Äste mit dem Wellenschliff einer Tauchmesserklinge durchzusägen ist unter Wasser ja generell nicht so einfach, besonders wenn man das ganze austariert ohne Abstützen ausführt. Das RT-IV meisterte diese Aufgabe mit Bravour. Als ich einmal etwas abglitt bekam ich auch einen ersten Eindruck von der Schärfe der Hakenklinge - mit einem kurzen Ruck war ein ca. 5mm dickes Ästchen ab. Auch die Glattklinge bewies sich im Praxistest, wären meine Schnitzkünste besser, hätte ich mit Sicherheit etwas schönes herstellen können. So wurde es nur ein spitzer Stock für das anschließende Grillwürstchen.
Dann kam der Schnurtest. Im ersten Durchgang habe ich die Schnüre in der Hand gehalten und durchgeschnitten, im zweiten Durchgang waren die Schnüre an Ästen festgebunden. Beide Testreihen wurden mit insgesamt 7 Schnüren mit einer Dicke bis zu 9mm getestet. Keine der Schnüre war eine besonders große Herausforderung für das RT-IV. Die wirklich scharfe Glatt- und Hakenklinge durchtrennte die Testseile im ersten Anlauf. Beim Stellen des Photos im Blindsee konnte das Bild erst im zweiten Anlauf gemacht werden, weil die dünne Schnur durchtrennt war, ehe die Kamera ausgelöst hatte.
Auch unter Wasser liegt das Messer gut in der Hand und lässt sich sowohl mit 7mm Halbtrockenhandschuhen als auch mit Trockentauchhandschuhen gut handhaben. Die Befürchtung, dass durch den recht glatten Griff das Messer leicht aus der Hand rutscht bestätigte sich nicht.
Resumee
Ein klasse Messer, dass alle gestellten Aufgaben mit Bravour gelöst hat. Gleichzeitig aber auch ein Messer, das für den Großteil der Taucher zu überdimensioniert ist. Der Durchschnittsurlaubstaucher ist mit Sicherheit mit einem kleinen Tauchermesser besser bedient. Dies ist aber auch kein Wunder, denn diese Tauchergruppen sind auch nicht die Hauptzielgruppe der Firma Eickhorn Solingen. Ein Blick auf deren Website zeigt, dass sie hauptsächlich für den Sicherheits- und Militärbereich produzieren. Auch das Rescue Tool RT-IV wird als Polizei- und Feuerwehrmesser angepriesen. Als Tauchermesser ist es daher auch für alle professionellen Taucher, ob bei den zwei genannten Organisationen oder z.B. der Wasserwacht bestens geeignet. Aber auch für Wrack- und Höhlentaucher kann ich mir das Messer gut vorstellen.
Auf jeden Fall handelt es sich beim Rescue Tool RT-IV um ein qualitativ sehr hochwertiges Messer, dass für Taucher außerhalb des reinen Sporttauchbereichs mit Sicherheit eine sehr gute Wahl ist.
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